Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

RUSSLAND.  —  Militär  Seemacht).

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Gesammtsumme  der  Soldaten  im  ganzen  Reiche,  für  welche  die  Intendantur ­
  zu  sorgen  hatte,  entzifferte  sich  1855  zu  845,900  M.  mit  187,360
Pferden,  1856  aber  an  beiden  zu  796,975  und  183,570.  Es  war  also
im  letzten  Jahre  nicht  mehr  möglich,  die  Masse  auf  der  frühem  Höhe  zu
erhalten.  Die  Verluste  stiegen  gewaltig.  Nach  einer  (angeblich  amtlichen) ­
  Zusammenstellung  soll  die  russ.  Armee  schon  bis  Ende  1854
111,132  M.  eingebüsst  haben,  wovon  29,204  Todte,  55,304  Verwundete, ­
  6,460  Vermisste,  16,156  an  Krankheiten  Gestorbene.  *)
Nach  dem  Friedensschlüsse  von  1856  erfolgten  grosse  Aenderungen
im  Heerwesen.  Man  fühlte  die  Nothwendigkeit  von  Ersparungen,  verminderte ­
  die  Zahl  der  Truppen,  suchte  aber  ihre  Qualität  zu  verbessern.
Dabei  Abkürzung  der  Dienstzeit  und  Freilassen  von  378,000  Soldatenkindem
  aus  dem  bisherigen  Verbände.  Der  poln.  Aufstand,  1862  u.  63,
nöthigte  zu  neuen  Anstrengungen.  Nach  dessen  Niederwerfen  und  der
Besiegung  der  Kaukasus  Völker  erfolgte  eine  starke  Verminderung  des
Heeres.  Gleichwol  sind  die  Kosten  noch  immer  ungemein  gross
(s.  Finanzen).
Seemacht.  Die  Dienstzeit  der  Matrosen  wurde  ^Sept.  1859)  von
22  auf  14  Jahre  herabgesetzt.  Der  Stand  der  stark  vermehrten  Flotte
betrug  Mitte  1862  (nach  dem  russischen  Marine-Journal)  248  Dampfer ­
  und  62  Segelschiffe,  unter  den  Ersten  9  Linienschiffe  und
12  Freg.,  unter  den  Letzten  9  Liniensch.  und  5  Freg.  Die  Dampfer
mit  37,007  Pferdekr.  und  2387  Kan.,  die  Segler  mit  1304  Kan.  Zus.
310  Schiffe  mit  3691  Kan.  —  Ausserdem;  300  Hafen-  und  Transportschiffe. ­

Der  Bau  von  Panzerschiffen  ward  1861  mit  dem  Kanonenboot  Opyt
begonnen.  Im  J.  1864  sollten  vollendet  werden:  2  Panzerfregatten  von
28  und  26  Kan.  ,  jede  zu  800  Pferdekr.  ;  3  Panzerbatterien  von  je
26  Kan.,  zur  Küstenvertheidigung  ;  1  0  Monitors  ,  davon  1  mit  2  Thürmen ­
  ,  die  übrigen  mit  1,  auf  jeden  Thurm  1  Geschütz.  Ausserdem  sind
I  3  Panzerflösse  vorhanden.  Diese  sämmtl.  Panzerschiffe  im  Bait.  Meere.

*)  Die  letzte  Zahl  ist  gewiss  weitaus  zu  gering  ;  wahrscheinlich  sind  nur  die
Soldaten  in  den,  dem  Kampfplatze  unmittelbar  angrenzenden  Lazarethen  berücksichtigt ­
  ;  ausgeschlossen  sind  ohnehin  die  Verluste  der  kaukas.  Armee  und
jene  der  irregulären  Tiuppen,  der  Kosaken  etc.  In  Simferopol  allein,  allerdings
dem  Ilauptsjiitale  für  Senastopol,  starben  vom  April  1855  bis  Juli  185Ü  über
40,00<»  M.  ;  überdies  gingen  von  da  gegen  300  'Iransporte  mit  etwa  100,000
Kranken  nach  andern  Orten  in  der  Nähe  ab.  Aehnliches  gilt  von  ßaktsehisarai
und  Perekop,  weiteren  Sammelplätzen  für  Krankentransporte.  Das  Pariser  Puy«
berechnete  die  Verluste  der  russ.  Landarmee  auf  277,000;  ausserdem  habe  die
Flotte  des  Schwarzen  Meeres  von  38,400  volle  23,000  verloren.  —  Ein  Beispiel,
in  welchem  Maasse  die  Verpflegung  schlecht  war:  Von  400  Recruten,  welche
aus  der  Gegend  von  Sacnodien  nach  dem  Dniepr  ziehen  sollten,  kamen  blos  78
in  Kiew  an  ln  Nicolajeff  und  anderwärts  zündete  man  Magazine  an,  um  die
Entdeckung  zu  verhüten,  dass  unter  das  Mehl  in  den  Tonnen  Gv^is  gemischt
war.  —  In  einer  Decembernacht  verliess  das  Reser\ebataillon  der  14.  Dirision
Odessa,  und  verlor  auf  einem  zweimeiligen  Marsche  200  Mann  (ein  gelinder  Frost
hatte  den  Morast  des  Weges  gerade  so  weit  verdichtet,  dass  die  I>eute  vor  Erschöpfung, ­
  zum  Th  eil  stehend,  in  demselben  starben).  —  Zufolge  Berichtes  des
Ministers  des  Innern  mussten,  nach  dem  Abzüge  der  Feinde  aus  der  Krim,  um
das  I,and  zu  säubern,  gegen  200,000  Stück  todtes  Zugvieh  blos  von  den  Strassen
hinweggeschafft  und  vergraben  werden.
            
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