Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

PKKUSSEN. —Finanzen (Staatsschuld). 
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sidien und der Einkünfte aus dem hart bedrückten Sachsen, sondern 
griff namentlich auch zu dem Mittel der Münzverschlechterung, indem 
man die Mark fein Silber bis zu 15 (statt 14 Thlr.) ausprägte, so dass 
erst in Thlr. so viel Silber enthalten war, wie in einem einzigen 
vollhaltigen ! — Auf Schlesien haftete bei dessen Eroberung eine Schuld 
von r700,000 Thlr. Dennoch hinterliess Friedrich (j 1780) keine 
Staatsschuld sondern einen haaren Staatsschatz von 50 bis 00, nach An 
dern von 72 Mill. Wälirend der 11jährigen Regierung Friedrich Wil 
helm’s II. verschwand nicht nur dieser Schatz, sondern es erwuchs eine 
Schuldenmasse von 30, nach Andern von 00 Mill. Unter Friedrich Wil 
helm III. strebte man nach Verminderung dieser Last ; da kam der 
Jenaer Feldzug. Das erst 8 Monate zuvor emittirte Papiergeld sank 
bis auf % seines Nennwerthes herab. (1808 auf 27, im Juli 1813 so 
gar auf 21% % ; erst im Jan. 1810 stieg es wieder auf pari.) Die Be 
lastung der Staatscasse durch die Anforderungen des Siegers betrug in 
den Jahren 1800—13 141’473,020 Thlr., die Belastung des Volks un 
mittelbar , so weit die Leistungen berechenbarer Art waren, ausserdem 
gegen 230 Mill. — Nachdem Napoleon das Land ausgesaugt, erforder 
ten die Kriege von 1813—15 die enormsten Opfer. Von den Entschä 
digungsgeldern , welche Frankreich nach dem Kriege bezahlen musste, 
erhielt der Preuss. Staat 145 Mill. Fr. oder 38’G93,00Ü Thlr. (Private 
dagegen 2’000,000 Fr. Renten, ein Capital von 52 Mill. Fres, reprä- 
sentirend). Gleichwol schleppte sich durch die ersten Friedensjahre ein 
permanentes Deficit. Ein 1817 in London abgeschlossenes Anlchen von 
5 Mill. T, 5proeentig, gleichwol zum Curse von 72 begeben, half nicht 
aus der Verlegenheit. Noch 1818 schloss man mit Rothschild ein An 
lehen zum (hirse von 70 Proe. ab. — Im Schuldedicte von 1820 er 
laubte man sich eine Täuschung. Man führte ungefähr 60 Mill. Schuld 
scheine mehr auf, als wirklich im Umlaufe waren, um unter alten Titeln 
ohne Volksvertretung neue Schuldscheine ausgeben zu können {Gerrinns, 
Geschichte). So ward die Gesammtschuld festgestellt zu 217’075,517 
Thlr. Davon wurden bis Ende 1848 beseitigt 80’553,024 — zu wel 
chem Behufe man freilich auch für 45’000,000 Thlr. Domänengüter 
veräusserte; für Eisenbahnbauten wurden gleichzeitig höchstens 40 Mill, 
verwendet. Darnach war die Schuldsumme (einschl. Pa])iergeld) auf 
I 31'421,803 Thlr. herabgebracht, wenn auch unter Verminderung der 
Domänen. Seit I 5 Jahren ist die Summe doppelt so gross geworden. — 
Die Abtretung des .ladcbusens ward von Oldenburg mit Mill, erkauft. 
Im orientalischen, wie im italienischen Kriege hielt sich Preuss en zwar 
neutral, musste aber beidemale seiner Kriegsrüstungen wegen zu Anle 
hen schreiten. Vom ersten dieser Anlehen wurden die Schuldscheine zu 
03, dann zu 08% untergehracht ; der Staat erhielt 28’725,000 Thlr. 
statt der verschriebenen 30 Mill. Das Anlchen vom Juni 1850, obwol 
5procentig, und zu 05 ausgeboten, welcher Curs durch Zinsgenuss auf 
etwa 04% herabgedrückt ward, erlangte eine, die geforderten 30 Mill, 
blos um 1’875,100 Thlr. übersteigende Unterzeichnung. — 
1858 ward der Werth des unmittelbaren Staatsvermögens zu 
85’551,30 I Thlr. geschätzt. Darnach waren die Passiva weit mehr denn 
dreimal so gross als die Activa. —
	        
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