Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

DEUTSCHLAND.  —  Sachsen  (Militär:  Socialverhältnisse).  243
lassen,  den  der  Staat  um  300  Thlr.  stellt.  Aus  der  Altersclasse  18*%
aben  684  Militärpflichtige  von  der  Stellvertretung  Gebrauch  gemacht.
Die  Körperbeschaffenheit  der  jungen  Männer  hat  sich  in  der  Neuzeit
verschlimmert.  Während  1834  noch  fast  40%  der  Aufgerufenen  dienstlähig
  waren,  sank  die  Zahl  der  Brauchbaren  1856  auf  22%  herab.  Im
J-  1862  waren  von  21,715  Conscribirten  5182  tauglich  =  23,86%  (in
der  Amtshauptmannschaft  Freiberg  von  1192  nur  237,  Chemnitz  von
blos  380,  Annaberg  von  1303  nur  275);  doch  dürfte  die  Erhöhung
er  Ansprüche  wesentlich  zu  diesem  Resultate  beigetragen  haben.  —
Unter  den  Offleieren  befanden  sich  1859  nicht  weniger  als  356  Adelige
gegenüber  241  Bürgerlichen  (nach  Steubelj,  —  ein  Missverhältniss,
^e  c  es  in  den  Mittelstaaten  nur  in  Mecklenburg  noch  überstiegen  ward.
Infanterie:  2  Divisionen  à  2  Brig,  zu  4  Linien-  und  1  leicht.  Bataill.,
^hwadr.  à  158  M.  mit  154  Dienstpferden  3  208  -
-Artillerie:  mit  50  Geschützen  l'o4(»
Pioniere  und  Pontoniere,  2  Comp  '¿50
Train  (mit  1950  Pferden)  !  !  .  1,130  -
Dazu  die  Stäbe;  zus.  25,396  M  ;  dann  1232  Nichtcombattanten,  ungerechnet ­
  (he  Reserve.  -  Festung:  Königstein.
Kriegsgeschichtliches.  1783  war  der  Heeresbestand  21,992  Mann
(13  Infanterie-  und  8  Cavallerie-Regimenter).  1806  stellte  Sachsen  ein
ontingent  von  22,000  M.  gegen  Napoleon,  wovon  6000  bei  Jena  geangen ­
  wurden.  Das  Rheinbundscontingent  betrug  20,000  (1807  ausnahmsweise ­
  nur  6000).  Die  sächs.  Truppen  kämpften  1809  gegen
esterreich,  1812  (21,500  M.)  gegen  Russland,  wo  sie  zum  grössten
4  heil  aufgerieben  wurden.  In  der  I.eipziger  Schlacht  trat  die  neu  for-Jiirte
  kleine  Armee  grösstentheils  zu  den  Verbündeten  über.  Bis  zum
yOhjahre  1814  musste  das  Land  ein  Heer  von  28,000  M.  gegen  Napoleon ­
  stellen,  1815  10,000.
Sociale  Verhältnisse  etc.  Die  Criminalstatistik  liefert  ungünstige ­
  Ergebnisse.  Die  Zahl  der  Verbrecher  in  den  Strafanstalten,  von
1810—19  unregelmässig  schwankend  zwischen  1093  und  1271,  stieg
(zunächst  in  Folge  politischer  Verurtheilungen,  sofort)  von  1122
aut  1382,  im  nächsten  Jahre  auf  1623;  1857  erreichte  die  Zahl  sogar
ging  indess  in  den  Jahren  1858  und  59  auf  2253,  2071,  und  am
•  11  1  1861  auf  1986  herab.  Es  kam  ein  Verbrecher  auf  folgende  Einwohnerzahl ­
  :
1  f  1840-44  1845—49  1855—59
^45.1  E.  1557  E.  1008  Einw.  =  Vermehrung  41  Proc.
Die  Zahl  der  jugendlichen  Verbrecher  unter  16  Jahren  hat  sogar
um  61/2  %  zugenommen.  Die  Zahl  der  Rückfälligen,  184  0  —54  durch-D
  1  1855  —  59  38,46,  speciell  1859  sogar  45,75  %.
00  1  dürften  Aenderungen  im  Verfahren  wesentl.  zu  allen  diesen  Resulen
  beigetragen  haben.  Das  Maximum  der  polit.  Sträflinge  war  1851
'  •  ,  1859  fanden  sich  noch  8  detinirt.  —  Nach  Geschlechtern  ist  das
orc  ischn.  Verhältniss  4,5  männl.  Sträflinge  gegen  1  weibl.  Die  Farn ­
  bezirke  haben  im  Ganzen  weniger  Sträflinge  geliefert  als  die
urc  ischnittszahl.  —  Im  J.  1863  fanden  1054  Hauptverhandlungen
16*
            
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