Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

DEUTSCHLAND.  —  Württemberg  'Militär.

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Militär.  Conscription  und  Stellvertretung  ;  6jährige  Dienstzeit  im
activen  Heere.  Die  Zahl  der  Aushebungen  zum  activen  Heere  wird  verfassungsmässig ­
  je  von  3  zu  3  Jahren  in  einem  besonderen  Gesetze  von
den  Ständen  verwilligt,  und  betrug  in  den  Jahren  18®%*  jährlich  4,600
Rekruten.  Die  Landwehr  in  3  Aufgeboten  bis  zum  32.  Altersjahre  einschliesslich ­
  bestand  bis  zum  J.  1859  blos  auf  dem  Papiere  als  Verpflichtung ­
  zum  Eintritte  in  das  Militär  auf  Kriegsdauer,  und  hat  zur  nächsten
Bestimmung,  das  active  Heer  während  eines  Krieges  in  seiner  vollständigen ­
  Contingentstärke  zu  erhalten.  In  Folge  der  bei  der  Kriegsaufstellung
  vom  J.  1859  gemachten  Erfahrungen  werden  nunmehr  jährlich
gegen  1000  (etwa  980)  Landwehrpflichtige  zu  Owöchigem  Exercitium
hei  der  Infanterie  einberufen.  Im  activen  Militär  dient  der  ausgehobene
Soldat  das  Minimum  der  durch  die  Bundeskriegsverfassung  vorgeschriebenen ­
  Zeit  (2  und  bei  einigen  Specialwaflen  3  Jahre  ;  siehe  S.  206).  Bei
der  Infanterie  dienen  übrigens  nur  die  Jäger  2  Jahre  ununterbrochen,  die
übrige  Infanterie  blos  1  %  Jahr  ununterbrochen,  wogegen  der  Mann  noch
der  Einberufung  zu  Kriegsübungen  unterliegt.  Unter  den  Offleieren
waren  1859  ;  301  Adelige  und  309  Bürgerliche.  Stand  des  Heeres  im
J.  1864:
Infanterie:  1  Division  zu  3  Brigaden,  S  Regimentern,  16  Linien-  und  2
Jägerbataillonen  (1  weiteres  ist  beantragt  ;  72  Compagnien;  hiezu  kommt  im
Kriege  noch  1  Stabscomp.  und  9  Ersatzcompagnien,  1  Disciplinarcomp.,  1  Sanitätscompagnie. ­

Reiterei:  1  Feldjägerabtheilung;  1  Division  von  4  Kegim.,  zu  4  Schwadr.,
zus.  lü  Schwadr.,  und  im  Kriege  noch  3  Ersatzschwadronen.
Artillerie:  1  Brigade,  1  Feldart.-Reg.,  2  reitende  Batterien,  2  leichte  und
2  (im  Kriege  2%)  schwere  Fussart.-Batt.,  1  Comp.  Munitions-Reserve,  1  Comp.
Belagerungsartill.,  1  Ersatzbatt.;  2  Batt.  Festungsartill.  ;  Armeetrain;  1  Garnisonsart.-Comp. ­
  unter  der  Arsenaldirection.
(ieneralquartienneinterstah  mit  2  (’omp.  Pionieren.
Der  Kriegsfuss  ist  26,KS5  oder,  nach  Alwug  der  Nichtstreitbaren,  25,110,
Worunter  2,934  Mann  bei  der  Reiterei.  Der  Friedensfuss  (wesentlich  gleichbedeutend ­
  mit  der  durchschnittlichen  Präsenz)  :  10,5S1,  wovon  10,371  Combattanten
  und  worunter  2,010  Reiter.
Festung.  Ulm,  Bundesfestung,  mit  gemischter  (württemb.-österr.-bayer.)
  Besatzung.  —  Hohen-Asperg  ist  militärisch  ohne  Bedeutung.
Geschichtliches.  Die  alten  Herzoge  von  Württemberg  unterhielten
meistens  eine  ansehnliche  Truppenzahl,  —  während  des  siebenjährigen
Krieges  gegen  14,000,  noch  1783  gegen  6000  Mann.  Zum  Rheinbunde
batte  Württemberg  12,000  zu  stellen,  welche  zwar  nicht  nach  Spanien,
'wol  aber  nach  Russland  ziehen  mussten.  1813  Reorganisation  der  vernichteten ­
  Armee.  1814  und  15  grosse  Anstrengungen  gegen  Napoleon.
Sociales.  Sehr  beachtenswerth  ist  der  von  Moriz  Mohl  in  einem
Kammerberichte  geführte  Nachweis,  wie  überall  an  der  Eisenbahnlinie
neue  industrielle  Pitablisscments  entstehen,  während  entfernt  von  der
Buhn  meist  ein  Verfall,  namentlich  der  Industrie,  eintritt.  Unverkennbar ­
  hat  sich  in  den  letzten  Jahren  der  Volkswohlstand  bedeutend  gehoben. ­
  Die  Zahl  der  Handlungsetablissements,  1835  3463,  stieg  schon
18;>6  auf  4837  ;  die  der  Fabriken  wuchs  gleichzeitig  von  363  auf  647,
und  noch  mehr  hob  sich  die  Production  derselben.  Die  anhängigen
fronten  haben  sich  sogar  folgendermassen  vermindert  :
            
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