Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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ITALIEN.  —  Die  römischen  Staaten  (Militär).

Die  Finanzzerrüttung  ist  im  Kirchenstaate  ziemlich  alt.  Schon  im
J.  1741  finden  wir  eine  Schuld  von  5(1  Mill,  angegeben,  mit  r‘24«,000
Scudi  verzinslich.  1758  erscheint  ein  Zinsbedarf  von  1  ':lU5,hU4.  Bis
1781  erfolgte  Vermehrung  der  Schuld  um  5  Mill.,  dann  eine  kleine  Abtragung. ­
  Den  Waffenstillstand  vom  28.  Juni  179b  erkaufte  der  Papst
von  Bonaparte  um  21,  den  Frieden  um  Tolentino  um  weitere  15  Mill.
Fres.,  ungerechnet  die  Kunstschätze.  1  801  war  die  Schuldsumme  (54  Mill.
Scudi.  Die  Klöster  und  geistlichen  Corporationen  hatten  etwa  die  Hälfte
davon  zu  fordern.  Die  franz.  Regierung  hob  diese  Institute  auf,  womit
jener  Schuldentheil  hinwegfiel;  von  dem  Reste  der  Schuld  wurden  blos
%  anerkannt,  so  dass  7u»  der  Gesammtpassiven  abgestreift  waren.  —
Nach  Napoleon’s  Sturz  suchte  Pius  VII.  die  wiederhergestellten  Congregationen
  mittelst  eines  Anlehens  von  1  %  Mill.  Sc.  theilweise  zu  entschädigen. ­
  —  1832  nahm  der  Staat  3  Mill,  von  Rothschild  auf  (ungeachtet
seines  Judenthums),  und  zwar  mit  Verlust  von  37%  Proc.  von  dem  verschriebenen ­
  Betrage  !  —  ln  der  Neuzeit  begann  die  Papiergeldemission.
Bei  Proclamirung  der  Republik  circulirten  bereits  für  4’151,000  Scudi
Schatzscheine  [Bunni  del  tesoro).  Die  republikanische  Regierung  sah
sich  zur  weitern  Anwendung  dieses  Mittels  gedrängt,  und  so  befanden
sich  bei  Wiedereinsetzung  des  Papstes  für  7’821,000  Scudi  Papiergeld
im  Umlaufe.  Ausserdem  circulirten  für  (5(55,5(55  Scheidemünzen.  Obwol
  die  Restauration  ihre  eigenen  Gläubiger  und  Beamten  mit  Schatzscheinen ­
  bezahlt  hatte,  setzte  sie  dennoch  deren  Werth  um  35  Proc.
herab.  Eine  spätere  Uebereinkunft  mit  der  Bank  bezweckte  die  Einlösung ­
  des  Staatspapiergeldes.  Man  machte  zu  diesem  Behufe  unterm
1.  Mai  1853  ein  8proc.  Anlehen  von  26  Mill.  Fres.  —  Der  Betrag  der
Staatsschuld  ^tieg  von  Jahr  zu  Jahr.  Näch  einer  amtlichen  Zusammenstellung ­
  des  Finanzministers  vom  Mai  1854  betrug  das  Deficit  :
in  den  (5  letzten  Monaten  v.  1R49  12’I75,000  Lire*)
im  Jahre  1850  S'OO  1,000  -
-  -  1851  4’8ä2,0(»0  -
Im  Mai  1855  ward  der  Finanzconsulta  folgendes  neue  Anwachsen
der  Schuld  angegeben  :
185:1  um  2’817,440  Scudi  *
1854  -  4’021,000  -
1855  (Deficit)  5’000,000
In  welcher  Weise  jedesmal  die  Deficite  gedeckt  wurden,  ist  nur
unvollständig  bekannt.
Militär.  Die  1  nippen  werden  im  Tn-  und  Auslande  g<worben.  Da
indess  der  römische  Stuhl  den  Angehörigen  seines  eigenen  Staates  misstrauen ­
  muss,  die  Werbung  einer  ausreichenden  Anzahl  fremder  Söldlinge ­
  aber  mit  Schwierigkeiten  und  unerschwingbaren  Kosten  verbunden
sein  würde,  so  halten  franz.  Soldaten  (nach  der  franz.-ital.  Convention
vom  15  Sept.  1864  noch  2  Jahre  lang)  zu  Rom,  und  hielten  bis  1859
Österreich,  in  den  Legationen  die  päpstliche  Herrschaft  aufrecht.  —  Der

*)  Wir  geben  diese  Ziffern  nach  Liren,  wie  wir  sie  in  piemontesischen
Blättern  aufgezeichnet  fanden,  da  uns  der  Wortlaut  dieses  ministeriellen  Vortrags ­
  nicht  vorliegt.
            
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