AIJ.GEMEIXE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit in Gefängnissen. 517
aus Männern bestehenden) Galeerensträflingen. Es ist nemlich die mitt
lere Sterblichkeit 3,95 % , bei einem durchschnittl. Alter von 32,84
Jahren, in welchem die Sterblichkeit unter den freien Frauen 1,10 be
trägt. Immerhin sterben 3'/. mal (3,59 mal) so viel Eingesperrte als
Freie. Dieses Mortalitätsverhältniss entspricht dem der Freien im 62.
Altersjahre — sonach Lebensverkürzung um ungefähr 29 Jahre.—In dem
selben Zeiträume sterben also: 100 männliche Sträflinge in den Central
gefängnissen, 70 weibliche daselbst, und 76 Galeerenzüchtlinge gegen
je 20 Freie. — Die Sterblichkeit ist übrigens unter den Galeerensträf
lingen im ersten Jahre der Gefangenschaft unverhältnissmässig gross;
dann schwindet wenigstens dieser Unterschied (wol in Folge der Ge
wöhnung und der streng geordneten Lebensweise). Bei den Sträflingen
in den Centralgefängnissen findet man im ersten Jahre keine besondere
Steigerung der Mortalität (über das in diesen Instituten gewöhnliche
Verhältniss hinaus). — Die I.änge der Strafdauer äussert im Ganzen
keinen wahrnehmbaren Einfluss. Dagegen ist die Mortalität unter den
Rückfälligen geringer, als unter den zum ersten Male Eingesperr
ten (sie haben die Eindrücke der Scham, des Kummers und Grames
schon überwunden). Nach Ständen geschieden ist die Sterblichkeit
am grössten : «) unter den Landleuten, Soldaten, Seeleuten, Vagabun
den und Bettlern ; dann kommen mit einer geringen Ziffer b) Diejenigen,
welche ein sog. »actives« Gewerbe trieben ; hierauf c) die von freien Ge
werben und Künsten ; endlich d, die ein sitzendes Gewerbe in den Städ
ten Betreibenden. Die Verhältnisszahlen der Mortalität sind: 151, 147,
132 und 130.
Nicht blos in Frankreich, sondern im Allgemeinen überall ist die
Sterblichkeit in den Gefängnissen eine weit grössere als unter der freien
Bevölkerung. Um die richtige Verhältnisszahl zu ermitteln, muss immer
berücksichtigt werden, dass sich die Eingekerkerten der grossen Mehr
zahl nach in den besten Altersjahren befinden.
Die Wirkungen der Einzel zellenhaft auf Körper und Geist
scheinen uns auch jetzt noch keineswegs festgestellt. Nach Füesslin
(früher Inspector des Männerzuchthauses in Bruchsal, in seiner 1855
veröffentlichten Schrift: »Die Einzelhaft«) hatte die Sterblichkeit nur
11,1 vom Tausend betragen , oder mit Einschluss der Selbstmörder 17,7.
Indess ist diese Aufstellung unhaltbar, indem, wie schon Wappäus be
merkt hat, die Todesfälle auf die Gesammtsumme der im Laufe eines Jah
res Verhafteten vertheilt sind, statt auf die wirkliche Durchschnittsbe
völkerung; darnach allein schon steigen jene Zahlen auf 23,2 und 28.
Eine Hauptfrage betrifft aber speciell die Geisteskrankheiten. Nun führt
Füesslin für die 5 Jahre 1850—54 und bei einer (zu hoch angenomme
nen) Durchschnittsbevölkerung von 607 Individuen, — 1& hälle »eigent
licher Seelenstörungen und schwerer Geisteskrankheiten« auf. Hieran
reihten sich aber noch 21 weitere Fälle von »Mentalaffectionen, welche
den Namen von Seelenstörungen nicht verdienen« sollen, und endlich
6 Selbstmorde und »mehre« Selbstmordversuche, — abgesehen von »3
tödtlichen Unglücksfällen.« Wir müssen gestehen, diese Ergebnisse nichts
weniger als befriedigend zu finden.