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fassten Verhältnisses gedacht werden. Es betrifft die ungenügende
Lufterneuerung, zumal in Kasernen, Spitälern und Strafanstalten, mehr
oder minder aber in den Wohnungen aller ärmeren Classen. — Die
Sache erscheint um so wichtiger, wenn wir berücksichtigen, dass ungefähr
'/lo aller Todesfälle durch Lungensucht oder andere Krankheiten
der Athmungsorgane veranlasst wird.
Der schwedische Oberarzt Dr. Liljewalch war unseres Wissens
der Erste, welcher die enorme Sterblichkeit in den stehenden Heeren
(vorzugsweise) dem Mangel eines genügenden Quantums frischer Luft
in den Kasernen beimass. Er berechnete, jeder Soldat bedürfe den
Raum von 48 Cubikmetern, während das schwedische Kasernereglement
auf S Cubikmeter per Kopf berechnet sei. Allein mit Recht erinnerte
Boudin ; Die Bestimmungsweise von so und so viel Cubikmeter
Raum sei nicht besser, als wenn man die Lebensmittel nach deren V olumen
bemessen wollte, ohne Rücksicht auf den Nahrungsgehalt. Nicht
sowol diese oder jene Cubikmeterzahl Luft, welche auf jede Bettstelle
treffe, als vielmehr die Erneuerung der Luft sei das entscheidende
Moment, denn auch die höchste der aufgestellten Zahlen (35—50 Cubikmeter)
wäre weitaus nicht genügend bei einer wirklichen (hermetischen)
Abschliessung. *) So bestimmte man denn die durch Ventilation
herbeizuführende Zahl der Cubikmeter für jeden Menschen und jede
Stunde, und zwar nahm Roscoe 30 Cubikmeter als Minimum an,
Léon Duvoir forderte 40, Pettenkofer aber, dem wir die genauesten Untersuchungen
verdanken, hält 00 für nothwendig.
Gefahren der Heirath von Verwandten. Die Kinder aus Ehen von
Verwandten sollen insbes. einen ungewöhnlich grossen Beitrag zur Zahl
der Taubstummen liefern. Während die Zahl der Ileirathen von nähern
Verwandten in Frankreich kaum 2 Proc. beträgt, fand Dr. Perrin, dass
unter den Taubstummen zu Lyon 25% der Gesammtzahl aus solchen
Ehen hervorgegangen waren ; I)r. Boudin ermittelte zu Paris 28,35%,
und Chazarin zu Bordeaux 30,33, Ijandes daselbst sogar 30,30% (siehe
Boudin, Etudes statist, sur les dangers des unions consanguines, im Journal
de la société de Statistique de Paris, 1802). Die Beweisführung ist
mittlerweile angegriffen worden. Beachtenswerth ist nun aber doch die Bemerkung
von Dr. Karl Meyer (Mitglied des statist. Büreaus in München),
dass in Bayern unter der protestantischen Bevölkerung die Zahl
der Taubstummen nach Verhältniss noch einmal so gross ist, als bei den
Katholiken, was wol den häufigem Heirathen unter Blutsverwandten
bei den Protestanten zuzuschreiben sei. Dieselbe Beobachtung will man
auch bei den Israeliten gemacht haben. Die Theorie ward besonders
von Bewiss und Oesterlen angefochten. **)
Einfluss der Theuerung auj die Zahl der Verbrechen. Im J. 1840
standen in Frankreich 31,708 Individuen wegen Diebstahls vor Gericht;
*) Eine solche ist glücklicherweise gleichsam unmöglich. Pettenkofer
(»über den Luftwechsel in Wohngebäuden«) hat berechnet, dass durch eine 5 Meter
hohe und 6 Meter lange gewöhnliche Wand jede Stunde 54 Cubikmeter Luft
dringen, wenn die I.uftströmung nur % Millimeter in der Sekunde beträgt.
**) S. das eine Fülle des interessantesten Stoffes umfassende »Handbuch
der medicin. Statistik von Dr. Fr. Oesterlen. Tübingen 1864.«