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Anhang. Zur Philosophie der Statistik.
der nun durch Lähmung befallenen Hand ihres Verfertigers erzählen. Jener
herrliche Spiegel, der alle Pracht des reich ausgestatteten Saales reflec-
tirt, hat ohne Zweifel die zitternde Gestalt des abgemagerten Künstlers
dargestellt, den die Quecksilberdämpfe bei dieser Arbeit vergifteten.
Diese reichen und zierlichen Vorhänge haben beigetragen, dem armen
Weber ein tödtliches L’ebel zuzuziehen, indem sie ihn zu einem bestän
digen Andrücken seines Magens an den Webstuhl zwangen. Sogar die
Tapete an den Wänden, geschmückt mit einem Glanze wie der Frühling
ihn bietet, hat durch ihren giftigen Staub die Finger des Arbeiters mit
Geschwüren bedeckt . . . Und all dieses Leiden, wovon so Manches zu
vermindern wäre, wird hingenommen ohne die leiseste Klage. Der Ar
beiter fällt hinweg aus der Reihe ; augenblicklich tritt ein anderer an
seine Stelle, und diesem folgt vielleicht bald ein Dritter.“ . . .
In England hat man ermittelt, dass die Schleifer von Sheffield,
namentlich die Trocken-Schleifer (the dry-grinders) von allen Arbeitern
die am schlimmsten gestellten sind. Die mit dem Schleifen von Gabeln
Beschäftigten unter ihnen erreichen, wie durch die Statistik ermittelt ist,
durchschnittlich nur ein Alter von 29 Jahren I Der feine Staub des
Stahls und Schleifsteins richtet sie zu Grunde. Ihre Krankheit wird die
Schleifer-Fäule (the grinders rot) genannt. Die Leichenöffnung zeigt die
Lunge so schwarz gefärbt, als ob sie in Dinte getaucht wäre, und ihre
Textur naturgemäss schwammicht — gleicht einem Stücke Gummi
elasticum ! Aber, wird man fragen, warum befeuchtet man den Schleif
stein nicht, um das Stauben zu verhüten ? Der Schleifer antwortet, dass
sich gewisse Operationen mit dem nassen Steine nicht ausführen lassen.
So könne insbesondere nur durch die Trockenbehandlung ein abge
rundeter Rücken an den Rasirmessern hergestellt werden, und das
Gleiche gelte von den nach hinten abgerundeten Scheeren. Es drängt
sich die weitere Frage auf: Wozu ist denn diese Abrundung des Rückens
nothwendig? Aendert es für den Rasirenden auch nur das Geringste,
wenn sein Messer hinten eckig, statt rund aussieht? Müsste die Dame,
welche ihre müssige Zeit mit Handarbeit ausfüllt, nicht gerechtes Be
denken tragen, sich jemals einer Scheere der bezeichneten Art zu bedie
nen, wenn sie wüsste, dass die Herstellung jener Form das Leben eines
ihrer Mitmenschen gefährdet ? Und doch treten solche Kleinigkeiten in
den Vordergrund, wenn es sich um Gesundheit und Leben einer ganzen
Classe von Arbeitern handelt ! Es ist eine der schönsten Aufgaben der
Statistik, in solchen Dingen die Thatsachen festzustellen und auf Ab
hilfe zu dringen. Arbeiter und Meister ihrerseits täuschen sich oft ab
sichtlich oder unabsichtlich über die Folgen. In vielen Fällen lassen sich
Vorrichtungen zur Abhülfe erdenken. Bei der Anwendung ist dann frei
lich nicht selten erst das Vorurtheil oder die stoische Verzweiflung der
Arbeiter selbst zu überwinden.
Man hat berechnet, dass bei den Trockenschleifern in Sheffield das
Alter, welches sie durchschnittlich erreichen, beträgt :
Trockenschleifer von Sicheln Jahre
- Sägen
- Feilen
- Tischmessern
- Messern mit Federn