Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
bar ganz zufälligen Veranlassungen. Ja diese Regelmässigkeit lässt sich 
sogar in Beziehung auf die Mordwerkzeuge nach weisen, mit denen die 
Tödtungen oder Verwundungen stattfinden. 
Die Zahl der V erbrechen überhaupt unterliegt geringem Schwan 
kungen als die Zahl der Sterbfälle. — 
Somit sind wir allerdings zu der von Buckle (Gesch. der Civilisa 
tion in England) ausgesprochenen Folgerung gezwungen, ,,dass die 
Vergehen der Menschen nicht sowol das Ergebniss der Laster der einzel 
nen Individuen, als desZuStandes der Gesellschaft sind, in welche 
diese Einzelnen geworfen wurden.“ 
Ebenso wird man kaum in Abrede stellen können, dass die Ver 
mehrung d^ Selbstmorde, welche sich in der Neuzeit mehr oder 
minder fast in allen Ländern zeigt, ebenso wenig eine blose Sache des 
Zufalls oder Ungefährs ist, als die nemliche Erscheinung in verschiedenen 
Perioden der altrömischen Geschichte ohne innere Gründe hervortrat. 
Wir erblicken darin Symptome übler Socialzustände. Kommen solche 
Erscheinungen vorzugsweise in einzelnen Classen der Gesellschaft vor 
(wie z. B. nach dem italien. Kriege von 1859 in gewissen höhern Krei 
sen in Oesterreich) , so liegt darin zugleich eine Andeutung der beson 
deren Ungesundheit des Zustandes gerade in diesen Kreisen. — 
Es sei gestattet, hier einige Sätze des trefflichen Quetelet (de. Vtn- 
flucence du libre arbitre de T homme sur les faits sociaux) über die sich hier 
aufdrängende Frage wegen Einwirkung der mensehlichen Willens 
freiheit einzuschalten. ,,Die Willensfreiheit,“ sagt er, ,,dieses wun 
derliche, aller Regeln spottende Element, scheint, indem es seine Wirk 
samkeit mit derjenigen der sonst das Gesellschaftsystem beherschenden 
Ursachen vermengt, alle unsere Berechnungen für immer verwirren zu 
wollen.“ Und doch zeigt die Statistik das Gegentheil. ,,Es gibt gewiss 
keinen Act im Bereich des menschlichen Handelns, bei welchem der 
freie Wille in unmittelbarer Weise eingrifte, als bei der Heirath.“ Nun 
beweisen aber die Civilstandsregister gerade bei den Trauungen eine 
Stätigkeit und Gleichmässigkeit, noch grösser als bei den Geburten und 
Sterbfällen. Selbstverständlich macht sich jede sociale Störung, jedes 
schlimme wie jedes gute Jahr, in allen diesen Beziehungen bemerkbar. 
Gleichwol sind von den drei Momenten : Geburten, Sterbfälle und Ver 
ehelichungen, — die Schwankungen am geringsten bei den Heirathen. 
Allein es treten noch ganz andere überraschende Erscheinungen hervor. 
Ueberblicken wir die Ergebnisse in einem grösseren Lande, etwa vom 
Umfange Frankreichs oder nur Belgiens, so begegnen wir auch in den 
Unterabtheilungen im Wesentlichen immer den nemlichen Verhältniss- 
zahlen — so bei den Heirathen zwischen Junggesellen und Jungfrauen, 
zwischen Junggesellen und Wittwen, zwischen Wittwern und Jung 
frauen, endlich zwischen beiderseits Verwittweten. ,,Wps noch mehr in 
Erstaunen setzt,“ bemerkt Quetelet, ,,ist, dass diese constante Wieder 
kehr derselben Thatsachen sich bis in die einzelnen Provinzen wieder 
holt, obwol hier die Zahlen so klein werden, dass die mannichfaltigen, 
neben dem mensehlichen Willen wirkenden ««zufälligen Ursachen»» alle 
Regelmässigkeit zu zerstören drohen. . . Im thatsächlichen Verlauf der 
Dinge geht demnach Alles so, als ob vom einen Ende des Landes zum
	        
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