Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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Anhang. Zur Philosophie der Statistik. 
untersucht und würdigt. Es mag hier eine Hinweisung auf das grosse 
Reich im Osten von Asien, — eine Hinweisung auf China stattfinden, 
das trotz seiner 500 Millionen Menschen, und trotz des grossen Fleisses 
und der Genügsamkeit derselben, sich im elendesten Zustande befindet; 
wo das Weib Sklavin ist, man sich der Kinder gewohnheitsmässig 
durch deren Tödtung entledigt, und wo die Geburten sich nur zum Fül 
len der Gräber zu häufen scheinen. Auch ist es nicht etwa Mangel an 
Organisation und obrigkeitlicher Aufsicht, was dort fehlt ; ist doch 
gleichsam für Alles so umfassend gesorgt, dass man durchschnittlich auf 
10,000 Familien nicht weniger als 3000 Beamte nothwendig hält. Vor 
trefflich sind die Bemerkungen Valentin-Smith’s, der freilich ein ihm 
näher liegendes Beispiel nicht hervorheben durfte. ,,Freiheit des Men 
schen, Freiheit des Bodens, endlich alle Freiheiten, welche die Seele 
des Fortschritts sind, . . . dies ist’s, was China fehlt; und dies ist es 
auch, was immer und überall als unentbehrlich sich erweist für Ent 
wicklung der menschlichen Perfectibilität. Die Wissenschaft der Hygieine 
lehrt und die Statistik beweist, dass allenthalben, wo das Volk durch 
despotische Einrichtungen niedergedrückt wird, die Gesundheit des 
Menschen schwächlich, das Altern frühzeitig, die Lebensdauer kurz ist.“ 
Durch den Mangel an Freiheit scheint das ganze Leben in einem seiner 
Grundbedingungen angegriffen zu sein. — 
Fast alle Wissenschaften bedürfen der Statistik. Die ganze Volks- 
wirthschaftslehre wird erst durch sie eine feste Begründung erlangen, 
deren dieselbe vielfach heute noch entbehrt. Aus einem Staatsbudget wird 
man in fernen Zeiten vielfach einen bestimmtem und richtigem Begriflf 
von dem Zustande eines Volkes bekommen, als jemals durch die meister 
haftesten allgemeinen Schilderungen, wie wir solche aus dem Alterthum 
besitzen. Wie sehr deutet sodann die Criminalstatistik an, wo'die Haupt 
wunden der bürgerlichen Gesellschaft eitern; wie sehr weist sie auf die 
wichtigsten Veranlassungen der Gesetzübertretungen hin, und fördert die 
Erkenntniss der Heilmittel. — Für die Philosophie ist eine völlig neue 
Grundlage gewonnen von der ausserordentlichsten Wichtigkeit. 
Es würde viel zu weit führen , wollten wir alle Verhältnisse dieser 
Art beleuchten. Das Gesagte dürfte genügen zur allgemeinen Bezeich 
nung der unendlichen Leistungsfähigkeit der Statistik, dieser jüngsten 
Wissenschaft, die sich allerdings noch in ihrem ersten Entwicklungs 
stadium befindet, deren Kenntniss aber gleichwol der Staatsmann wie 
der Arzt, der Fabrikant wie der Kaufmann, der Gesetzgeber und selbst 
der gewöhnliche Bürger sehr bald nicht mehr wird entbehren können. 
Wir haben oben allerdings zunächst nur eine Reihe von Fragen über 
Gesundheit und Leben des Menschen erwähnt. Die Statistik beschränkt 
sich indess keineswegs auf diese Punkte, sie breitet sich vielmehr über 
alle Verhältnisse, alle Phänomene des physischen, moralischen und in- 
tellectuellen Lebens aus ; sie umfasst das ganze Wirken und Sein aller 
Classen, Völker und Nationen ; sie dringt in Tiefen, welche der mensch 
lichen Berechnung vor Kurzem noch dermassen unnahbar schienen, dass 
man Jeden, der ein Vordringen in diese Gebiete behauptet hätte, für 
wahnsinnig erklärt haben würde. Dies das Gebiet der Statistik I 
Druck Ton Breitkopf und Härtel in Leipiig.
	        
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