Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

70 
FRANKREICH. — Finanzen (früherer Staatshaushalt). 
Ausg 
Kosten der Regierung Liv. 74’937,000 
Armee und Flotte . . 103’000,000 
Zinsen und Leibrenten . 20rill,(t00 
Schuldentilgung . . . 17’32G,6(56 
Zusammen 396’974,G00 
iben : 
Es verschlangen : 
Die Armee und Flotte über 29 Proc. 
Die Staatsschuld - 55 
Beide (unproductive) Posten 81 ‘/,Proc. 
Für die Verwaltung blieben 18*/, ! 
lu V\’’irklichkeit gab es aber keinen Ueberschuss, sondern ein tüch 
tiges Deficit durch sog. »ausserordentliche Ausgaben«. 
Im J. 1784 betrugen nachNecker die Einkünfte brutto üOü, die Aus 
gaben 610 Mill. Liv. (In Wirklichkeit war das Deficit grösser.) Darunter: 
Zinsen der Schuld . . 207*000,000 I 
Armee 105*000,000 ' 
Flotte 45*000,000 ' 
Garden (Maison du Roi) 13*000,000 ' 
Für den Dauphin . . 3*500,000 I 
Für die Königin . . . 4*000,000 , 
Für die Prinzen . . . 8*300,000 ' 
Pensionen etc. . . . 28*000,000 j 
Gesandtschaften . . . 8*000,000 ; 
Ministerium u. Hofkanzlei 4*000,000 
Es kosteten sonach : 
Justiz 2*400,000 
Hofkirche 1*600,000 
Schulen 600,000 
Akademien 300,000 
Hofbauamt 3*200,000 
Hofstaat 1*500,000 
Almosen und Gnadengelder 1*800,000 
Prämien für den Handel etc. 800,000 
Die Staatsschuld 207 Mill. = fast 34 Proc 
Das Kriegswesen etc 167*/, - = _ 27*/ - 
1 )er Hof (ohne die Einkünfte des Königs) 24 - = - 4 * _ 
Zusammen 398*/, Mill. = über 65 Proc. 
Die Einkünfte der Geistlichkeit wurden zu 130 Mill, berechnet, wovon 
sie höchstens 10% Mill. Abgaben entrichtete. Adel und Geistlichkeit 
besassen aber fast % des Grundeigenthums.*) Die meisten Einkünfte 
waren verpachtet, mit ungeheuerm Gewinne für die Generalpächter. 
Die Nationalversammlung setzte das Budget für 1791 netto 
auf 582*700,000 Livres fest. (Die Roheinnahme betrug etwa 691 Mill.) 
Im J. 1799 belief sich das Staatseinkommen brutto auf 728, netto blos 
auf 539 Mill. Beim Sturze des Directoriums befanden sich nur 300,000 
F*r. in den öffentlichen Gassen, und diese Summe war am Tage zuvor 
geliehen worden. Die Kriegskosten wurden stets möglichst durch Requi 
sitionen und Contributionen in den fremden Ländern gedeckt. (So be 
lief sich die Gesammtsumme der durch Darü’s Hand gegangenen Lei 
stungen von Norddeutschland nach dessen eigener Angabe auf 513*744 410 
Fr.inGeld und 90*483,511 Fr. Werthe (an Lieferungen, zusammen also 
*) Auch noch unter Ludwig XVI. dauerte die Verschwendung fort. Die 
erste Hofdame der Königin hatte em Gehalt von 12,009 Liv., ferner die Wachs 
lichter im Schlosse, sie mochten gebrannt haben oder nicht; dies ertrug 50,000 
py Prinzessin d Hénin bezog 80,000 Liv. Wittwengehalt; sie war aber 
keine AVittwe sondern an den Prinzen d’Hénin verheirathet, der wegen eben 
dieser Heirath 10,000 Liv. 1 ension erhielt. - Eine Mad. Desprémenil, die Mai 
tresse eines Ministers, bezog eine Pension von 20,000 Liv - Der Cardinal de 
Lomedie hatte 28-30 Bfründen; der Baron Besenval 7 Gouvernements, und 
der Irinz Soubise bezog 1*, Mill. Pension! - Auch unter Ludwig XVI. ge 
schah nichts, die Revolution abzuwenden ! ®
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.