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schwere, pflichtenreiche Arbeit den Ehefrauen überlassen. Die
Künste eines raffinierten Geschlechtsvcrgnügens, die die bezahlten
Priesterinnen der Liebe pflegten, veräußerlichten den Mann und
machten ihn vielfach taub und blind für die große Zukunstsarbeit
der Ehefrau, die in ihren Kindern die Menschheit zu einer höheren
Zivilisationsstufe führte. Die Trennung der körperlichen Geschlechts
liebe von der Fürsorge für die kommende Generation wurde mit
unter für die Kulturvölker verhängnisvoll.
Die Veräußerlichung der Beziehungen des Mannes zum weib
lichen Geschlecht auf den bloßen sexuellen Genuß rebelliert heute
gegen unser vertieftes moralisches Empfinden. Und auf diese Ver
äußerlichung gerade arbeitet die Prostitution los. Immer lauter
erhebt sich in unserer Brust die Forderung: das Zusammenleben
von Mann und Weib soll wirklich eine Ehe, eine leibliche und
seelische Gemeinschaft beider werden. Und dieser inneren Stimme
folgend, rüsten wir uns im Interesse der Veredelung des Menschen
geschlechts zu dem großen Kulturkampf gegen die moderne Pro
stitution.
■ 2. Kapitel.
Die Prostitution als soziale KlaHenerfd)einun<j der Stadt.
I. Die athenische Klassenkultur und das
H e t ä r e n w e s e n.
Auf sein weites Gewissen lud der Kapitalismus eine Unzahl
sozialer Sünden. Aber mag die Maienblüte dieser Sünden noch
so groß sein, die Erfindung der Prostitution zählt, wie wir bereits
gesehen haben, nicht zu den vom Kapitalismus erzeugten Gift-
blüten. Eine wahre Tropenkultur von verdcrbenschwangercn
Prostitutionspflanzen trug gerade der Boden des klassischen Alter
tums. Bon der Vegetationsgeschichte der feilen ' Geschlechtsliebe
dieses Zeitalters ist ein großes Stück bereits in das Volks-
bewutztsein übergegangen, und wir haben daher hier nur einige
für das soziale Verständnis des Prostitutionswesens charakteristische
Tatsachen aus dieser Geschichte zu unterstreichen.
Die Groß- und Handelsstädte Griechenlands sind durch eine
eigenartige scharfe Klassenglicderung charakterisiert. Im bunten
Durcheinander begegneten sich in Athen Voll-, Halbbürger und
Sklaven. Von Solon weiß die Geschichte zu berichten, daß er
mit Staatsmitteln ein allgemeines großes Bordell schuf, in dem.
sich Sklavinnen um ein förmliches Bettelgeld preisgaben. Die
Prostituierten Athens gehörten also meist einer beherrschten, unter-