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Außenmaße. Leistung der Lokomotiven.
(1360 mm) fest. Zwischen den Rädern liegt aber der Kessel. Je größer nun jene sind,
desto mehr umschließen sie diesen, wie Abb. 167 (links) erkennen läßt, und hindern seine
Breitenausdehnung. Wäre seinerZeitdie Brunelsche Breitspur (2135mm) durchgedrungen,
so könnten die Lokomotivkessel geräumiger und somit leistungsfähiger gebaut werden und
wären dem Ingenieur in dieser Sache die Hände nicht so gebunden. Denn auch die
Kessellänge kann nicht mehr wesentlich gesteigert werden, da, abgesehen von der Ver
mehrung des Gewichtes und der dadurch bedingten größeren Zahl von Radachsen, der über
5 m reichende vordere Teil des Kessels erfahrungsgemäß nur wenig zur Dampferzeugung
beitragen würde, somit von sehr geringem Nutzen wäre. Muß man große wirksame
Heizflächen einbauen, so bleibt nichts anderes übrig, als Doppellokomotiven (Zwillings
und Fairlielokomotiven) zu verwenden, oder nach amerikanischem Vorbilde den Kessel recht
hoch zu legen und erforderlichenfalls auch noch die Feuerbüchse über dem Radgestell zu
verbreitern (Woottenkessel); beides hat aber wieder mancherlei Übelstände im Gefolge.
Lange Zeit galt eine tiefe Schwerpunktlage der Lokomotive für höchst vorteilhaft. Die
Kesselmitte wurde möglichst niedrig gelegt und hatte bei der Crampton-Lokomotive der
Abb. 215 z. B. einen Abstand von 1,8 na von der Schienenoberkante. Über 2 1 / i m
ging man ungern, bis zu Anfang der 90 er Jahre die Nordamerikaner sie zwecks Unter
bringung größerer Kessel wesentlich höher legten und zwar bis 2,8, selbst 2,g m über SO.
Man vergleiche daraufhin die Abb. 174 u. 215 mit 224 u. 228. Damit wurde auch
die alte Anschauung von der Notwendigkeit einer tiefen Schwerpunktlage über Bord ge
worfen, denn diese neuen amerikanischen Lokomotiven zeigten eine durchaus befriedigende,
ruhige Gangart. Bei der im Jahre 1899 erbauten schweren Schnellzuglokomotive der
Arlbergbahn liegt die Kesselmitte auch bereits 2,6 m über SO.
Die vorhin erwähnte andauernde größte Leistung einer Lokomotive ermittelt man
im Betriebe mittels des Indikators und aus der geförderten Zuglast oder auch mittels
des Zugdynamometers. Die so für die einzelnen Lokomotivgattungen bei verschiedenen
Geschwindigkeiten ermittelte Zahl der Pferdestärken bezieht man zweckmäßig ans die Heiz
fläche und erhält so eine Anzahl Werte, die ergeben, wie viele Pferdestärken durch 1 gm Heiz
fläche im Mittel entwickelt werden. Einfluß auf die Höhe dieser Werte haben außer der
Fahrgeschwindigkeit bezw. Zahl der sekundlichen Treibradumdrehungen die Größe der
Rostfläche, die Art der Dampfausnntzung (ob Zwilling- oder Verbundwirkung), die Blas
rohr- und Schornsteinverhältnisse, sowie die Beschaffenheit des Brennstoffes.
Nach neueren Erfahrungen kann man als Zahl der Pferdestärken, die durch 1 gm Heiz
fläche erzeugt werden, folgendes annehmen:
Umdrehungszahl der Treibachse in 1 Sekunde
1
2
3
4
Personen und Schnellzuglokomotive } Verbund
Guterzuglokomotrve } £*
Tenderlokomotive
3,5
3.5
2.6
3,0
4,7
5,2
3,6
4,1
4,1
5.5
6,3
4,2
4,8
4.5
^ II 1
Hierbei ist vorausgesetzt, daß die Rostfläche in angemessenem Verhältnis zur Heizfläche
steht, also bei Personen- und Schnellzuglokomotivcn etwa '/ 60 , bei Güterzuglokomotiven ungefähr
V 80 und bei Tenderlokomotiven etwa ’/bo derselben ausmacht. Ist die Rostfläche zu klein im
Verhältnis zur Heizfläche, so wird die Leistung der Lokomotive kleiner, als in der Tabelle
angegeben, während sie bei besonders guter Kohle größer ausfallen kann, wie 8 3 zeigt.
Beispiel. Eine ff,-Verbund-Schnellzuglokomotive mit 120 gm Heizfläche, deren 2 m
große Treibräder in der Sekunde sich viermal umdrehen, entsprechend einer Fahrgeschwindig
keit v — 90 km in der Stunde — 25 m in der Sekunde, entwickelt auf 1 gm Heizfläche
nach obiger Tabelle 7 Pferde, mithin insgesamt 17 — 120 X 7 = 840 Pferdestärken. Ihre
Zugkraft Z bei 90 km Fahrt beträgt, da 17 — -, also 840 = Üß ^ — 2520 kg.
Soll dieselbe Lokomotive einen Zug mit 45 km in der Stunde (= 2 Treibachsum-
drehungen in 1 Sekunde) befördern, so kann sie jetzt nach der Tabelle 120 X 5,2 — 624 Pferde-
75 ■ 624
stärken leisten und ihre Zugkraft beträgt Z — ‘ ^ - - — 3744 kg.