Full text: Währung und Handel

Goldwährung überall einzuführen. Die HO Milliarden Franken, 
die gegenwärtig den Circulationsbediirfnissen der alten Gold- 
währnngmländer dienen, müssten eben auch für die Bedürfnisse 
der neuen herhalten. Das Gold würde dadurch allerdings 
theurer, seine Kaufkraft würde steigen; aber eben dies hätte 
zur Folge, dass beispielsweise Grossbritannien, welches heute 
20.000 Centner Gold zu seinen Circulationszwecken braucht, 
mit 10- oder 12,000 Centnern demselben Bedürfnisse in ganz 
ähnlicher Weise genügen könnte, gleichwie umgekehrt bei 
einem Steigen des relativen (ürculation.smittelvorrathes sich 
auch das Bedürfniss jedes einzelnen Landes extensiv vergiösseit. 
Aber so steht die Sache gar nicht. Die Goldminen der Erde 
liefern im l\Iinimnm HOO.(MM) Pfund Gold im Jahre, sie werden, 
wenn in der That der Vorrath der alten Goldländer auch nur 
im (xeringsten angegriileu und dadurch eine Steigei ung dei 
Kaufkraft des Goldes hervorgerufen werden sollte, wahrscheinlich 
in der Zukunft noch mehr liefern. Und es ist dies ein Quan 
tum, aus welchem immerhin ganz bedeutende neue Bedürfnisse 
befriedigt werden können. Thatsächlich macht der deutschen 
Reichsregierung die Beschaffung des zu völligem Abschlüsse 
der Münzreform noch nothwendigen geringen Goldquantums 
durchaus keine Sorge, und da auch die Münzreforüi in anderen 
Staaten, die sich zum Uebergange zur (xoldwährung ent 
schlossen haben, nicht in einem Jahre diirchgefiihrt werden 
dürfte, so ist nicht einmal eine wesentliche Preissteigerung 
des Goldes zu besorgen, wie denn auch bisher Alles dafür 
spricht, dass die Verrilckiuig der Werthrelation zwischen 
Gold und Silber weniger in einer Wertherhöhung des Goldes, 
als in einer Werth Verminderung des Silbers ihren Drund 
habe. Sollte es aber auch anders kommen , sollten thatsächlich 
die Münzmassregeln Hollands, Xordamerika’s-, Desferreichs 
und in nicht gar weiter Ferne auch der Staaten der lateinischen 
Münzconvention einen Sturm auf dem Goldmarkte hervorrufcn, 
so wäre dies allerdings ein Uebel , sogar ein sehr grosses, 
dessen Consequenzen unter Umständen verhängnissvoll waren. 
Aber dann würde der Kehler nicht in der Goldwährung, sondern 
im mangelnden Zusammenwirken, in der gegenseitigen Con- 
currenz der einzelnen Staaten zu midien sein. Den Lowen- 
antheil des Schadens wird aber jedenfalls derjenige haben, der
	        
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