Full text : Währung und Handel

zurückgewiesen  werden,  die  noth  wendige  Consequenz,  dass  der
Zinsfuss  .steigt.  Aber  es  ist  klar  ,  dass  dieser  Einfluss  nicht
dort  am  fühlbarsten  sein  wird,  wo  man  aus  einem  anderen
Titel  an  England  am  meisten  schuldig  ist,  sondern  vielmehr
dort,  wo  in  der  Regel  am  meisten  eigene  echsel  nach  England ­
  gesendet  werden  und  wo  englische  A\  echsel  am  leichtesten ­
  unterzubringen  sind.  Beides  hängt  ganz  allein  und
ausschliesslich  von  der  Lebhaftigkeit  des  Verkehrs,  nicht
aber  von  irgend  einer  Art  Verschuldung  ab.  V  ohl  kommt
Wechselreiterei  auch  im  internationalen  Verkehre  zu  Zwecken
der  (Teldbeschaffnng  vor  ;  aber  sie  bildet  glücklicherweise
überall  nur  eine  Ausnahme  und  im  grossen  Ganzen  hat
kein  Land  mehr  Wechsel  im  Auslande,  als  es  von  dort
Güter  gekauft,  und  nicht  mehr  aüsländische  Wechsel,  als  es
Güter  an’s  Ausland  verkauft  hat.  Die  Goldwährung  hat
hier  allerdings  den  Effect,  dass  sie  erstens  die  Handelsbeziehungen ­
  des  Landes,  welches  dieselbe  angenommen,  vermehrt
nnd  folglich  auch  den  jederzeit  schwimmenden  Wechselvorrath
desselben  vergrössert,  sodann  aber  den  weiteren,  dass  man
fremde  Wechsel  mit  geringerem  Verluste  kaufen  kann  ,  und
dass  folglich  die  einheimischen  Ban(|uiers  im  Falle  eines  plötzlichen ­
  Geldbedarfes  in  einem  beliebigen  Goldwährungslande
leichter  mit  den  Banquiers  aller  anderen  Goldwährungsländer
bei  Erwerbung  der  Wechsel  des  goldhedürftigen  Landes  concurriren
  können.
Es  wird  nunmehr  auch  klar  sein,  warum  die  Zinsfnssschwankungen
  regelmässig  in  jenem  Lande  die  grössten  sind,  dessen
Reichthum  der  grösste,  dessen  Aussenhandel  der  lebhafteste
ist.  Dieses  ist  nämlich  am  ehesten  in  der  Lage,  zur  Deckung
des  Geldbedarfes  überall  in  der  Welt  beizutragen  ;  es  wird
an  Geldüberfluss  leiden  ,  wenn  ein  derartiger  Bedarf  zufällig
nirgend  existirt,  und  es  wird  augenblicklich  den  Einfluss  verspüren, ­
  sowie  ein  derartiger  Bedarf  itn  entlegensten  Winkel
des  Erdballs  anftritt.  Oesterreich  wird  daher  auch  mit  der
Goldwährung  bezüglich  der  Schwankungen  seines  Zinsfusses
nnd  der  Abhängigkeit  desselben  von  den  Schwankungen  in
anderen  Ländern,  weit  hinter  den  westlichen  Staaten  zurückstehen ­
  ;  aber  es  wird  allerdings  —  gerade  weil  die  Goldwährung ­
  seinen  Reichthum  und  seinen  Verkehr  heben  muss
            
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