Full text : Währung und Handel

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wo  (lie  fremdländisclie  Coiiourrenz  fast  gänzlich  fehlt,  wird
sich  vorerst  eine  Wirkung  der  (xeldentwertlinng  nur  äusserst
langsam  geltend  machen.  Diese  Preise  und  Löhne  werden  anfänglich ­
  entweder  gar  nicht  oder  nur  um  einen  so  geringen
Betrag  steigen,  dass  sieh  für  dieselben,  wenn  man  die  in
Landesvaluta  gezahlten  Preise  in  Silber  umrechnet,  eine  sehr
ausgiebige  Ermässigung  ergehen  muss.  Der  Producent  wird
also  verhältnissmässig,  d.  i.  im  Vergleiche  zu  den  Preisen,  die
er  früher  und  jetzt  für  seine  Waaren  bekommen  kann,  billiger
produciren  und  folglich  mit  grösserem  Nutzen  verkaufen
können,  als  zuvor.  Dass  diese  Wohlfeilheit  nur  auf  Kosten
des  Arbeiterstandes  un^l  des  mit  diesem  zunächst  in  Verbindung ­
  stehenden  Kleinhandels  und  der  kleinen  Gewerbekreise
möglich  ist,  kümmert  ihn  zunächst  nicht,  da  für  ihn  das
bücherniässige  Ergehniss  seiner  Geschäftsgebahrung  wohl  das
allein  Massgebende  ist.  Die  Arbeiter  selbst  werden  nicht
augenblicklich  den  Druck  der  neuen  Conjunctur  empünden,
denn,  wie  bereits  bemerkt,  ändern  sich  auch  die.Preise  im
Kleinverkehre,  aus  welchem  sie  ihre  Bedürfnisse  besoigeu,  nur
sehr  allmälig  und  sie  werden  daher  für  den  essentiell  verminderten ­
  Lohn  im  Durchschnitte  doch  dieselben  Bedürfnisse
befriedigen  können,  wie  früher.  Dasselbe  gilt  dem  Wesen  nach
.  auch  für  den  Kleinhändler  und  für  den  (lewerbetreibenden,  so
lange  dieser  nicht  genöthigt  ist,  seine  Vorräthe  auf  dem  Weltmärkte ­
  zu  erneuern  und  dort  inne  zu  werden  —  nicht  etwa,
dass  das  Geld,  welches  er  von  seiner  Arbeiterkundschaft  erhält,
nicht  mehr  den  gleichen  Werth  repräsentirt,  denn  für  so
j  subtile  Unterscheidungen  fehlt  diesen  Kreisen  alles  und  jedes
Verständniss  —  sondern  dass  wieder  einmal  eine  „Theuerung“,
ein  Aufschlag  der  Waaren  in  Folge  von  Krieg,  Misswachs,
schlechter  Verwaltung  oder  was  sich  sonst  als  passender  Sün-;
  denbock  darbieten  mag,  eingetreten  sei.  Nun  erst  wird  er  seinen
j  Kunden  den  Brodkorb  höher  hängen  und  nun  erst  beginnt  für  die
Arheiterbevölkerung  jene  Zeit  der  Entbehrung,  die  in  Ländern
I  mit  gesunder  Valuta  die  unmittelbare  Folge  jeder  Lohnminderung ­
  sein  muss.  Diese  Entbehrungen  dauern  so  lange,  bis
es  den  Arbeitern  gelingt,  vom  Unternehmer  jene  nominellen
Lohnerhöhungen  zu  erzwingen,  die  vom  Anbeginn  der  GeldentwerWiung
  entsprochen  hätten.
            
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