88 IV. Die socialen Nothstände u. die Soc.-Demokratie.
leit. Aber er fährt dann fort: „Und dieses Einkom-
„ nt eil fällt auf den klassensteuerpslichtigen Kopf der Bevölke
rung, welcher nach Dieterici's Annahme durchschnittlich eine
„Familie von fünf Personen repräscntirt, fällt also durch-
„schnittlich auf eine Familie von fünf oder mindestens
„über drei Personen."
Sieht man nun der Sache nicht genau auf den Grund,
dann müssen einem bei einer solchen Größe und Ausdehnung
des Elends die Haare zu Berge steigen. Die Uebertreibung
steckt aber in der so einfach lautenden Folgerung: „Dieses
Einkommen fällt also durchschnittlich aus eine Familie."
Es wird also von Lassalle gefolgert und behauptet, daß
72'/* Proceut aller Familien von je einem Einkommen unter
100 Thalern leben müßten, daß überhaupt alle in die ver
schiedenen Stenerstufen Eingeschätzten lauter Familienvorstände
seien. Dieser, die Armuth vergrößernde Trugschluß, findet
in einer auf derselben Seite behufs Berechnung der durch
schnittlich ans eine Familie kommenden Personen gegebenen
Note seine Widerlegung. Dort heißt es: „In Preußen
„gab es 1850 bei 16,331,187 Seelen 3,181,968 Familien.
„Steuerpflichtige gab es danials 4,950,454 Personen."
Lassalle unterläßt es, die Zahl der Familien mit der Zahl
der Steuerpstichtigen näher zu vergleichen. Ein solcher Ver
gleich gibt aber der Nothlage in Preußen ein ganz anderes
Gepräge. Denn der Ueberschuß von 1,768,486 Steuer
pflichtigen weist uns eben so viel Einzelsteuernde auf, die
keine Familienvorstände sind, deren Einkommen also nicht
zur Subsistenz einer Familie dienen und ausreichen muß.
Mit verhältnißmäßig wenigen Ausnahmen sind die Einzel-
steuernden in der untersten Steucrstufe veranlagt, stecken also
in den 72'/* Procent der Bevölkerung mit einem Einkommen
unter 100 Thlr. Auf der untersten Stenerstufe hatte die