104 IV. Die socialen Nothstände u. die Soc.-Demokratie.
ihren Vertretern beherrscht sein wird. Anläßlich einer von
Fritz Mende an die deutsche Regierung gestellten Aufforde
rung, „aus den vorhandenen Kriegsentschädigungsgeldern eine
Nationalbank zu gründen, zum Zweck der Gründung von
Produktivarbcitergenossenschaftcn nach de» Principien Ferdinand
Lassalle's" spricht sich der „N. Soc.-Demokrat" (1671, 59)
über seine Stellung zum gegenwärtigen Staat mit voller
Deutlichkeit und Offenheit miß. Er schreibt:
»Gs kann gar kein Zweifel darüber obwalten, daß Vassalle's
„Staat der Zukunft und das gegenwärtige „Deutsche
„Reich" himmelweit verschiedene Dinge sind, trotz des allge-
„ meinen Wahlrechts für den Reichstag.
«Vassalle will eben, daß das Volk erst zur Erkenntniß
»kommen soll; er will, daß erst die Mehrheit des Parlaments
„aus Ar be it er Vertretern bestehen soll, und daß dann
„dieses Parlament an der Spitze der Mehrheit des Volks
«eine solche Machtentfaltung zeigen soll, daß die reaktionäre
„Regierung sich vor ihm beugt. Erst dann, wenn der
„Sieg der Volks fach e gewiß ist, erst dann soll die
„Staatshilfe gefordert und bewilligt werden; nimmer-
„mehr aber so lange eine reaktionäre Negierung noch exiftirt."
In einer durch mehrere Nummern hindurchgehenden
Polemik gegen die „Provinzialkorrespondenz" unterzieht der
„Volksslaat ' (1672, 87) die staatlichen Maßregeln zur
Ordnung des gewerblichen Lebens einer äußerst gehässigen
Kritik. Er zählt zuerst die einzelnen Maßregeln auf:
„1. die Bestimmungen der Deutschen Gewerbeordnung
..zum Schutz der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter;
„2. die Beschränkungen der Sonntagsarbeit durch die
„Gewerbeordnung;
.,3. die Sicherung der Arbeiter gegen Gefahr für Leben
„und t^esiindheit durch das Haftpflichtgesetz;