Full text : Die Social-Demokratie

Steigerung  der  Bedürfnisse.

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das  ist  der  verführerische  Weg,  Unzufriedenheit  und  wirthschaftlichen
  Ruin  zu  erzeugen.
Laffalle  rühmt  einen  selbst  bis  zum  rasfinirtestcn  Luxus
gesteigerten  sinnlichen  Lebensgenuß,  wenn  er  nur  auf  eine
ehrliche  und  anständige  Weise  befriedigt  wird,  als  eine  Tugend.
Darum  konnte  er  auch  in  seiner  am  17.  und  19.  Mai  186:1
in  Frankfurt  am  Main  gehaltenen  Rede  Christi  Parabel
Boni  reichen  Mann  und  armen  Lazarus  umdrehen  und  sagen,
daß  der  reiche  Prasser  Abrahams  Schoß  verdiene.*)  Es  mag
für  Lassalle  ein  Bedürfniß  gewesen  sein,  den  reichen  Prasser
als  einen  Tugcndheldcn  hinzustellen,  da  Lassalle  selbst  mit  seiner
Iahresrente  von  mehr  als  5000  Thaler  nicht  auskommen
konnte.**)  Aber  mit  solchen  Anschauungen  vor  die  Arbeiterwelt
  hintreten  und  unter  dem  schöuklingeuden  Namen  der
>tnlturentwicklung  die  Arbeiter  nach  einem  die  Mittel  übersteigenden ­
  Maß  von  sinnlichen  Genüssen  reizen,  das  ist  ein
Frevel  am  Wohlergehen  des  Arbeiterstandes.  Und  wiederum
auf  der  einen  Seite  an  dem  Prasser  der  Gegenwart  eine  beißende
Kritik  üben,  ans  der  andern  Seite  aber  Schwelgen  und  Prassen
für  eine  Tugend  erklären,  das  ist  ein  Widerspruch,  der  nur
in  den  verschiedenen  Interessen  der  socialistischen  Agitation
seine  Lösung  findet.
Die  Jünger  Laffalle's  haben  seine  Verdammung  der  Bedürfnißlosigkeit
  nicht  überhört  und  nicht  vergeffen.  Hier  und
da  kehrt  derselbe  Ausspruch  wieder.  („9?.  Soc.-Demokrat",
1872,  20.  72).  Bebel  hat  gerade  dadurch  im  Süden  viel
von  sich  reden  gemacht,  weil  er  bei  seinen  Agitationsreden
in  den  Industriestädten  Württembergs  ganz  der  Lassalle'schen
*)  I  E.  Jörg,  Geschichte  der  social-politischen  Parteien  in
Deutschland.  S.  108.
**)  B  Becker,  Enthüllungen  über  das  tragische  Lebensende
von  F.  Laffalle.  Ş.  5.
            
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