13t V. Der Alassenhaß und die Soc.-Demokratie.
losen Selbstsucht recht gut gedeihen, jener Behauptung ge-
genüber stellen. Die Quelle des Hasses liegt nicht in der
Klaffe, sondern im Individuum.
Nicht selten begegnen wir dem socialistischen Versprechen,
das Christenthum der Liebe zur Wahrheit machen zu wollen.
Was davon zu halten ist, mag folgendes im „Volksstaat"
(1874, 38) niedergelegte Bekenntniß darthun:
„Wo der Christ sagt: Du sollst den Nächsten lieben
„wie dich selbst, da bohrt er sich mit solch fanatischem Eifer
„in das Gebot hinein, daß diesem Sinn und Verstand schier
„ausgeht. Wenn er auf das rechte Ohr geschlagen ist, hält
„er auch das linke noch dar.*) Wenn er Liebe predigt,
„schließt er das Gegentheil aus, verdammt er den Haß. So
„wird die christliche Liebe zum „Lämmerschwänzchen". Dagegen
„der Socialismus predigt nicht nur, er fußt ans der Brü-
„derlichkeit. Aber die antireligiöse, die vernünftige Nächsten-
„liebe weiß sich zu beschränken, sie schießt nicht über daS
„Ziel hinaus, perhorrescirt nicht ihren Gegensatz, den Haß.
„sondern schließt ihn ein, als ein stellenweise nothwendiges
„und also heiliges Mittel. Auch wir wollen den Feind
„lieben, Gutes thun dem, der uns hastet; — aber doch erst,
„wenn er unschädlich gemacht am Boden liegt. Unterdeffen
„deklamiren wir mit Herwegh:
„Die Liebe kann erlösen nicht
„Die Liebe nicht erretten,
„Halt' du. o Haß' dein jüngst Gericht.
„Brich du. o Haß. die Ketten
*) Wenn der Agitator Dreesbach über „Christenthum und
Socialismus" „referirt", betont er ausdrücklich: Das Christen-
ihnm lehrt: „So dir Jemand einen Streich gibt auf deinen
rechten Backen, dem biete den anderen auch dar" Wir aber
sagen: „Wenn dir Jemand auf den rechten Backen schlägt, so
haue ihm zwei ans den linken "