150
VI. Die Revolution der Soc.'Dcmokratie
während jene Hilfe auf dein Boden der bestehenden Gesell
schaftsordnung sich hält und dieselbe nicht verläßt. Ein solches
Eingreifen der oberen Gesellschaftsschichten in die sociale Be
wegung wird anstatt dem Socialismus irgend welchen Vor
schub zu leisten, vielmehr das wirksamste Mittel sein, dessen
Einfluß auf die Mafle des Proletariats zu schmälern. Es
fehlt noch viel daran, bis die Erkenntniß jener mit dem Be
sitz verbundenen sittlichen Verpflichtung sich überall Bahn ge
brochen hat und die Gesellschaftshilse überall, wo's Noth
thut, eingreift. Bei alledem dürfen und müssen wir doch auch
konstatiren, daß die frühere Gleichgiltigkeit gegenüber der so
cialen Frage einem lebendigen Interesse Platz zu machen be
ginnt. Die Hoffnung jedoch, es werde die Gesellschaft jemals
freiwillig und mit eigener Hand sich den Todesschein aus
stellen und ihre Hilfe in den socialen Uebelständen durch eine
Bekehrung vom Privateigenthum zum Kommunismus dar
bieten, es werde somit dem Socialismus auch von der be
sitzenden Klasse die Hand geboten werden, ist und bleibt alle-
zeit eine schwärmerische Utopie, die wohl auch von keinem
einzigen Social-Demokraten gehegt wird.
Es bleibt also nur noch eine Möglichkeit übrig, den
Socialismus auf friedlichem Wege zum Siege zu führen,
das ist die Hilfe der Gesetzgebung. Bei nur äußerlicher Be
trachtung und oberflächlicher Beobachtung der socialistischen
Agitation scheint die Social-Demokratie auf die Wirkung
dieses Mittels ihre ganze Hoffnung zu setzen. Lassalle hat
auf die Wichtigkeit dieser friedlichen Waffe für den Sieg des
Socialismus aufmerksam gemacht, indem er unter Hinweis auf
das damals noch nicht gewährte allgemeine und dirette Wahl
recht zu den gesetzgebenden Körperschaften sein „Antwort
schreiben" mit den Worten schloß: „Dies ist das Zeichen,
„das Sie aufpflanzen müssen. Dies ist das Zeichen, in dem