Full text: Die Social-Demokratie

152 VI. Die Revolution der Soc.-Demokratie 
industrielle und landwirthschaftiiche Arbeiterwelt sich aus ihre 
Seite stellen sollte, da nach der Volkszählung von 1867 in 
Preußen die Gesanimtheit der rnännlichen Arbeitnehmer doch 
nur 53'/, Procent aller männlichen Selbstthätigen*) aus 
macht. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Arbeiterbevölkerung 
sich nicht gleichinäßig über alle Wahlkreise vertheilt, sondern daß 
sie sich in einzelnen dicht bevölkerten Jndustriebezirken start 
zusammenhäuft, und schon dadurch in den übrigen Theilen 
des Landes in der Minderheit bleibt. Auf dem friedlichen 
parlamentarischen Weg eine socialistische Gesellschaftsordnung 
zil ermöglichen, muß daher völlig aussichtslos erscheinen. 
Die Social-Demokratie mag den gesetzlichen Weg, den 
sie einhalten zu wollen vorgibt, oft und laut betonen; an 
einen auf diesem Weg zu erringenden schließlichen Sieg ihrer 
Principien glaubt sie aber selbst nicht. Es ist dies nicht eine 
willkürliche Annahme unsererseits, sondern das offene Be 
kenntniß der socialistischen Preste. Bei der letzten Reichstags 
wähl hatte die Social-Demokratie in Folge eifrigster Agi- 
lation in Stadt und Land eine kleine Anzahl ihrer Kandi- 
daten als Sieger aus der Wahlurne hervorgehen sehen. An 
statt nun diese Triunlphe als einen verheißungsvollen Anfang 
des endlichen Sieges ihrer Principien auf beni friedlichen 
und gesetzlichen Boden des Parlamentarismus zu betrachten, 
wie man Angesichts ihrer wiederholten Versicherungen, nur 
durch die Macht der Gesetzgebung dem Socialismus Geltung 
verschaffen zu wollen, hätte erwarten sollen, schreibt der 
„Volksstaat" (1874, 21) wenige Wochen nach vollzogener 
Wahl bei einer Besprechung der Mandatsablehnung Johann 
Jacobys: „Die social-demokratische Arbeiterpartei hat 
„nie den Glauben gehabt, daß schließlich auf parlamentarischem 
*) Concordia 1871, Nr. 5.
	        
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