Full text : Die Social-Demokratie

154  VI  Die  Revolution  der  Soc.-Demokratie
„lutionären  Volk,  so  stehen  wir  in  der  Luft  und
„werden  gleich  jenen  Riesen  des  Alterthum  s  ohne
„Gnade  erdrückt."
Solche  Bekenntnisse  lasten  über  den  Zweck  der  Betheiligung ­
  der  Social-Demokratie  an  den  Wahlkämpfen  wie  an
den  parlamentarischen  Verhandlungen  nicht  den  geringsten
Zweifel.  Der  Parlamentarismus  ist  ihr  nicht  das  Mittel,  eine
gesetzliche  und  friedliche  Anerkennung  und  Durchführung  des
Socialismus  zu  erreichen,  sondern  er  bietet  ihr  nur  cine
willkommene  Gelegenheit  zu  rein  agitatorischer  Thätigkeit,  um
für  die  Partei  neue  Anhänger  zu  gewinnen.  „Richt  im
„Reichstag  können  sie  (die  social-demokratischen  Abgeordneten)
„wirken,  aber  aus  dem  Reichstag;  nicht  legislatorisch,  aber
„agitatorisch.  Der  Reichstag  soll  ihnen  nicht  Zw  eck  sein,
„sondern  bloß  Mittel,  nicht  Feld  der  Thätigkeit,  sondern
„ein  erhöhtes  Podium,  um  zu  dem  „Volk  draußen"
„zu  reden,  und  es  aus  den»  Mittelpunkt  der  Klassenherrschaft
„aufzuklären  über  das  wahre  Wesen  der  Klassenherrschaft."
(Volksstaat  1874,  50).  Dieser  Anschauung  entspricht  auch
vollständig  das  Verhalten  der  socialistischen  Reichstagsmitglieder. ­
  Ihre  Reden  sind  weiter  nichts  als  Agitationsreden.
Bei  jeder  Debatte  über  irgend  eine  Gesetzcsvorlage  kommt
es  ihnen  weniger  darauf  an,  zur  Sache  zu  reden,  als  vielmehr ­
  die  Gelegenheit  zu  ergreifen,  immer  und  immer  Wiederaus ­
  der  Tribüne  des  Reichstags,  um  deren  willen,  die  draußen
sind,  den  Socialismus  zu  predigen.
Es  ist  von  hohem  Werth,  die  mitgetheilten  Bekenntnisse  über
die  Stellung  der  Social-Demokratie  zur  parlamentarischen  Thätigkeit
  nicht  zu  übersehen.  Denn  sie  reichen  allein  schon  hin,  um
die  Behauptung,  daß  die  Social-Demokratie  an  eine  friedliche
und  gesetzliche  Durchführung  ihrer  neuen  Gesellschaftsorganisation ­
  nicht  denkt,  zu  begründen.  Es  gibt  für  die  Social-
            
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