ļ 74 VII. Dik Religion und die Şoc.-Dcmokratie.
lichen Versammlungen wie in ihrer Preste, die Agitatoren
des „Allg. deutschen Arbeiter-Vereins" aber sich mitunter
der schmählichsten religiösen Heuchelei schuldig machen. Sie
befolgen den Rath, den ein Arbeiter im „Volksstaat" (1871,
56) ertheilt, „für den Anfang den Socialismus im Gewände
der Religion zu predigen." In Bezirken, wo sie wissen,
daß die Arbeiter auf Religion noch etwas halten, wird darum
eine religiöse Maske vorgebunden. Es wird versichert, daß
der Socialismus das wahre, aber mit der Zeit durch die
Schuld der Pfaffen „verpfuschte" Urchristenthum als die
Religion der Liebe wieder herstellen wolle. Der Agitator
Dreesbach ging mit seiner religiösen Heuchelei so weit, daß
er in einer öffentlichen Versammlung in Stuttgart in seinem
Vortrag über „das Christenthum und der Socialismus"
von der „herrlichen Bergpredigt" sprach, welche der Socia
lismus als das wahre Christenthum zur Wahrheit machen
wolle (vgl. „R. Social-Demokrat" 1872, 80). Als der
Agitator nach Schluß seines Vortrags über einige Stellen
der Bergpredigt interpellirt wurde, mußte derselbe die Maste
fallen lassen und das Bekenntniß ablegen, daß der Socia
lismus von einem Christenthum nichts wisten wolle, das
den Menschen eine Seligkeit verheiße.
So weiß man seine Religionslosigkeit unter einem reli
giösen Mantel zu verhüllen und den Arbeitern Land in bic
Augen zu streuen. Es ist dies dem Agitator Dreesbach
auch soweit gelungen, daß ein großer Theil seiner Anhänger
gegen die in derselben Versammlung von gegnerischer Seite
aufgestellte Behauptung, wer ein Christ sein wolle, könne
kein Socialist sein, entschieden protestirt wurde. Diese eine
Erfahrung beweist schon zur Genüge die Nothwendigkeit, über
die Stellung der Social-Demokratie zur Religion und zum Chri
stenthum insbesondere den Arbeiterstand aufzuklaren, die religiöse