Full text: Zur Psychologie des Anlernens und Einübens im Wirtschaftsleben

langten Leistungen dauernd liefern können. Durchschnittlich dauert es 
ein Jahr bis zum gewöhnlichen Nähenkönnen und ein weiteres Jahr bis 
zum üblichen Akkordverdienst; die volle Leistungsfähigkeit wird in der 
Regel erst nach noch längerer Zeit erreicht. Dabei ist aber die eigent- 
liche Arbeitsfunktion .nicht so beschaffen, daß ein solcher tatsächlicher 
Zeitverbrauch auch nur annähernd begreiflich erscheint.” 
„Vom pädagogischen Standpunkt aus ist unbedingt zu wünschen, daß 
überall, wo die Möglichkeit vorhanden ist, und das ist beim Nähen der 
Fall, dem Ausbildungsgang ein alles Grundsätzliche umfassendes Sche- 
ma zugrunde gelegt wird und daß der Ausbildungsgang darnach vom 
Einfacheren zum Komplizierteren aufgebaut werden kann.” 
Interessant ist auch folgende Bemerkung über die Erziehung der 
Lehrkräfte zu Autorität und zu Arbeitsdisziplin 
„Das Verhalten der Lehrerinnen ist durch die Ausbildungsnormen 
nach der einen Seite determiniert. Psychologisch wird durch das Lük- 
kenlose der Ausbildungsnormen sachlich ein gleichmäßiges Verhalten 
verlangl. Die Festigkeit der Ausbildungsnormen gibt der Lehrerin auch 
eine Festigkeit des Auftretens den Schülerinnen gegenüber, natürlich 
um so ausgeprägter, je besser sie die Normen kennt und durch die 
Brille derselben sieht. Darin liegt der Kern der sog. Autorität und in der 
Genauigkeit der Handhabung die Verwirklichung der Disziplin. Weil 
die Lehrerin tatsächlich den Schülerinnen ständig helfen muß, indem sie 
sie anweist, kontrolliert und nötigenfalls verbessert, regelt sich das er- 
zieherische Verhältnis von selber in der erforderlichen Weise. Auf kei- 
nen Fall darf aber eine Lehrerin bei den Schülerinnen die Auffassung 
aufkommen lassen, als ob sie verschiedene Interessen am Vollzug der 
Arbeiten hätten. Zum rationellen Erfolg gehört die Auffassung der Ar- 
beitsgemeinschaft, des gemeinsam auf das gleiche Ziel Hinarbeitens-. 
Im übrigen muß von jeder Lehrerin ein korrektes persönliches Verhalten 
verlangt werden. Daß die früheren Lebensgewohnheiten, der Charakter, 
zum vornherein günstig oder ungünstiger dafür sind, ist selbstverständlich. 
Die nachstehenden Angaben beleuchten den Einfluß der räumlichen 
Umgebung auf die Arbeitenden: 
«Die Neulinge sind in einem besonderen Lokal, einem sogen. Lehr- 
saal, auszubilden.» 
„Die Beschaffenheit des Arbeitslokals ist weitgehend durch die Ar” 
beitsprozesse festgelegt. Bei Neulingen ist der „erste Eindruck” beim 
Betreten ihrer neuen Wirkungsstätte von einiger psychologischer Bedeu- 
tung. Abnorm Auffallendes punkto Innenausstattung wirkt immer aufs 
Gefühl und mitunter auch auf die Phantasie (zum Beispiel Bilder). Der 
erste Eindruck lebt bei jedem neuen Betreten des Lokales zusammeP 
mit den neuen Eindrücken immer wieder auf, allerdings auf die Dauer 
abnehmend; das gleiche gilt natürlich auch von den späteren Eindrük- 
ken. Je nach der Beschaffenheit des Lokales kann dadurch unter Um- 
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