Full text : Die Frau und die Arbeit

Steuer,  mit  welcher  verglichen  alles  was  Männer  für  militärische ­
  Rüstungen  auf  wen  den,  verhältnismäßig  wenig  ist.
Die  Beziehungen  der  Frau  zur  Fortpflanzung  beeinflussen
unzweifelhaft  selbst  ihr  Verhältnis  zu  Tieren  und  allen
Lebewesen.  „Heut  ist  ein  schöner  Tag,  gehen  wir
Vögel  schießen,“  ruft  der  typische  Mann  gewisser  Völker ­
  ganz  instinktiv.  „Da  ist  ein  Vöglein^  aus  dem  Nest
gefallen,  retten  wir  es,“  sagt  die  Durchschnittsfrau  fast
ebenso  instinktiv.  Gewiß  ist  es  wahr,  daß  die  Frau  imstande ­
  ist,  ebenso  unbarmherzig  und  grausam  das  Leben
einer  gehaßten  Rivalin  oder  eines  Feindes  zu  opfern,  wie
nur  irgendein  Mann,  aber  sie  weiß  dabei,  was  sie  tut,  sie
kennt  den  Wert  des  Lebens,  das  sie  raubt  1  Für  die  normale
Frau  gibt  es  kein  leichtherziges,  sorgloses  Hinopfern  von
Leben;  ihr  Instinkt,  von  praktischer  Erfahrung  belehrt,
schreckt  davor  zurück.  Sie  kennt  den  Wert  des  Lebens  und
weiß,  daß  es  leichter  ist,  es  zu  zerstören,  als  zu  erschaffen.
Allerdings  ist  es  sicher,  daß  die  Verdammung  des  Krieges, ­
  die  in  den  fortgeschrittenen  Menschengeistern  erwacht ­
  ist,  vom  höchsten  Standpunkte  aus  in  keiner  Weise
mit  den  besonderen  Geschlechtsfunktionen  in  Verbindung
steht.  Ganz  gleich,  ob  Mann  oder  Frau,  alle  jene,  die  mit
Jesaias  auf  den  Hügeln  Palästinas  oder  mit  Buddha  unter ­
  den  Palmen  Indiens  die  Wesenseinheit  alles  fühlenden
Lebens  erkannt  haben  und  die  daher  im  Krieg  nur  ein
Symptom  jener  rohen  Disharmonie  erblicken,  unter  der
das  Leben  auf  Erden,  noch  uneins  mit  sich  selbst,  in  seinen ­
  frühen  Entwicklungsstufen  leidet;  die  als  endliches,
in  weiter  Ferne  hinter  den  Kuppen  unzähliger  kommender
Zeitalter  verborgenes  Ziel  der  Menschheit,  die  Harmonie
zwischen  allen  Formen  bewußten  Lebens  erkennen,  wie  es
der  alte  Hebräer  in  dem  Bilde  zeichnete:  „Die  Wölfe
werden  bei  den  Lämmern  wohnen  und  die  Pardel  bei  den
Böcklein  liegen,  ein  kleiner  Knabe  wird  Kälber  und  junge
Löwen  und  Mastvieh  miteinander  treiben“  —  für  alle,
            
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