Full text: Die Social-Demokratie

Unkenntniß der socialistischen Ziele. 
auf und erhebt gegen den „N. Social-Demokrat" den Vor 
wurf: „Das Denken wird ofsiciell in die Acht erklärt." 
Nicht auf dem Wege verstandesmäßiger Ucberzellgung wirbt 
die Social-Demokratie um Bundesgenossen, sondern durch 
die ihr in reichen, Maße zu Gebote stehende und meisterhaft 
geübte Kunst, die Augen der Leute zu blenden. 
Ein wiUkonnnenes Mittel hiezu sind ihr die socialen 
Nothstände. Dieses Terrain ist für sie der Tummelplatz 
ihrer ausschweifendsten Kritik, wie die unerschöpfliche Fund 
grube für die Anfertigung ihrer lichtlosen, mit den schwärzesten 
Farben gezeichneten Nachtgemälde, durch deren Schaustellung 
es ihr gelingt, auch manches Auge zu blenden, das sonst 
gerade nicht mit Wohlgefallen auf den Bestrebungen der 
Social-Demokratie ruht. Das Verdienst, die Nothstände 
und Schattenseiten des socialen Lebens bloszulegen, nimmt 
sie ausschließlich für sich allein in Anspruch. Jeden Wider 
spruch und jede Bekämpfung, die sie erfährt, weiß sie sehr- 
rasch und nicht ungeschickt als eine Leugnung der vorhandenen 
Uebelstände zu deuten. Nicht weil wir die Welt im rosigsten 
Lichte vor uns liegen sehen, nicht weil wir für die Schalten 
seiten unserer industriellen Entwickelung keine Augen haben, 
nicht weil wir dem Ringen des Arbeiterstandes nach einer 
Hebung seiner socialen Stellung Widerstand leisten wollen, 
bekämpfen wir die Social-Demokratie. Nicht daß die 
Social-Demokratie helfen'will, sondern die Art und Weise 
wie sie helfen will, weckt unsern Widerspruch. Die Mittel, 
womit sie helfen und heilen will, werden von uns verworfen, 
weil wir in ihnen keine Hilfe, sondern nur eine Quelle neuen 
und größeren Verderbens für die ganze Gesellschaft erblicken. 
Die Krankheit, an der unsere Gesellschaft leidet, wird nicht 
in Abrede gestellt, und wenn wir über die sociale Frage 
reden oder schreiben, legen wir die Krankheitsursachen und 
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