4. Der deutsche Landlungsreisende im 19. Jahrhundert.
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4. Der deutsche Handlungsreisende im 19. Jahrhundert.
Von Lermann Pilz.
Pilz, Der deutsche Reisende am Anfang und Ausgang des *9. Jahrhunderts. Dortraa,
gehalten in der Generalversammlung des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands am
26. Mai *900. In: Die Post reisender Kaufleute Deutschlands. Leipzig, den *9. Juli *900.
S. ^50—^52.
Der deutsche Reisende hat sich die Welt erobert. „Deutsche Kraft und
deutsches Blut, deutscher Geist und deutsches Gut" gehen heute nicht mehr wie früher
im Auslande spurlos verloren, — wir sind nicht mehr der Kulturdünger fremder
Völker — sondern sie wirken und schaffen für die Leimat, für die wirtschaftliche
Blüte und die naüonale Macht des deutschen Reiches. Es ist uns endlich
lebendige Wahrheit geworden, daß wir unseren Platz an der Sonne
haben! Überall staunt man die Taten des deutschen Reisenden wie Heldentaten an.
Voran die Engländer. Die englische Presse hat das „Geterum censeo“ Catos in
die Worte verwandelt: „Germaniam esse delendam!“ So steht es als fortgesetzter
Mahn- und Schlachtruf im „Saturday review“. Die Verrufserklärungen der
deutschen Landelsbestrcbungen in England, Griechenland, neuerdings erst wieder im
polnisch-tschechischen Landelssyndikat zu Krakau, sind nach meinem Dafürhalten Ehren
erklärungen für den deutschen Reisenden.
Einst gab es die „königlichen Kaufleute" nur in England, wo sie unter den
Tudors die Gehilfen der Staatsgewalt waren und geblieben sind; heute wissen auch
wir, daß ein Teil der Weltregierung dem Lande! gehört, und scheel blicken die Briten
auf uns. Sie sehen, daß der deutsche Reisende sich auf einem Eroberungszuge durch
die Welt befindet. Von wann datiert denn dieser Landelskreuzzug bis in die ent
legensten Kulturländer? Englands Merchandise Bill hat ihn im Jahre 1885 her
vorgerufen. „Made in Germany!“ Jur höchsten Überraschung sah die ganze Erde
nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes, daß sie bisher in gutem Glauben als englisches
Erzeugnis gekauft hatte, was zu billigerem Preise in Deutschland hergestellt war. Die
Bill hat ihre Wirkung verloren, aber es ist charakteristisch, daß der Verein Berliner
Kaufleute und Industrieller beschlossen hat, freiwillig das „Made in Germany"
als Ehrenzeugnis beizubehalten.
Der deutsche Reisende ist nach dem fernen Morgenlande gezogen, um den ver
blichenen Schild des Osmanenreiches neu zu vergolden. Einst hatten England, Frank
reich und Österrreich das Monopol auf den Märtten von Konstantinopel, Salonichi
und Smyrna. Jetzt ist der deutsche Reisende hier zu Lause wie in den Bazaren
von Teheran, wie in den großen Landelshäusern von Bagdad, ja an allen Landels-
plätzen des wiedererwachten Kleinasien, das einst die persischen Satrapen zu Macht
und Ansehen gebracht hatten, ünd auch die neue Welt hat sich den Reisenden
Deutschlands erschlossen. Wer die Verhandlungen der Korrferenz für Auswanderungs
fragen in Lannover kürzlich verfolgt hat, wird erstaunt und erfreut gewesen sein, von
den Riesenerfolgen deutscher Reisender in Mexiko, in Südbrasilien, den La Plata-
Ländern, Südafrika, Algier und Marokko zu hören. Der Bericht der englischen
Botschaft in Berlin klagt über die Erfolge der deutschen Landelsvertreter, der englische
Konsul in Odessa beschwert sich, daß die deutschen Reisenden in Maschinen England
das Feld streitig machten, und daß sogar die Kirgisen am Irtzsch ihre Pflüge jetzt
bei deutschen Reisenden bestellten. Dasselbe Klagelied stimmt der englische Konsul in
Palästina an, und der englische Botschafter in Rom, Fitzgerald Law, schreibt in einem
anderen Landelsberichte: „Fleiß und Eifer, Bestellungen zu erhalten, die Wünsche,