Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

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mich  auf  eine  nicht  schwer  fallende,  anderweitige  Erklärung  des  ganzen  Symptom-Complexes
  einzulassen,  bemerke  ich  einmal,  dass  in  den  Farbstoffen,  welche  als
Lyoner-Blau,  als  Fuclisiu  und  Violet  de  fuclisine  bezeichnet  sind,  wohl  schwerlich
Anilin  enthalten  war,  und  dann,  dass  in  den  Fabriken  der  Herren  Meister,  Lucius
und  Brüning,  in  welchen  jedenfalls  viel  grössere  Quantitäten  von  Anilin-Farben
als  in  dem  genannten  Droguen-GeSchäfte  verpackt  werden,  noch  niemals  die
geringsten  Gesundheitsstörungen  bei  den  Arbeitern  in  den  Lager-  und  den  Pack-Bäumen
  vorgekommen  sind,  welche  mit  der  Einwirkung  von  Anilin  hätten  in  Verbindung ­
  gebracht  werden  können.
Auf  gleicher  Stufe  wie  der  Friedrich’sche  Fall  stehen  alle
anderen  mir  aus  der  Literatur  zugänglichen  Fälle,  d.  h.  bei  allen  ist
die  Materia  peccans  nicht  das  Fuchsin  an  und  für  sich,  sondern  das
zu  seiner  Darstellung  benutzte  und  den  fertigen  Präparaten  noch  anhängende ­
  Arsen.
So  erzählt  Dahl  von  einem  Mädchen,  welches  innerlich  1,25  g  Diamant-Fuchsin
  genommen  habe,  dass  dasselbe  unter  Schmerzen  im  Magen  und  Kopfe
ohnmächtig  und  bewusstlos  geworden  sei,  kirschrothe  Lippen-  und  Rachen-Schleimhaut
  gehabt  und  rothe  Massen  erbrochen  habe;  4  Tage  gefiebert,  am
4.  Tage  klonische  Krämpfe  bekommen  habe  und  erst  nach  20  Tagen  wieder  genesen ­
  sei,  —  setzt  aber  zum  Schlüsse  dieser  Fuchsin-Vergiftung  hinzu,  dass  das
bestehende  Fuchsin  8,1  pCt.  arsenige  Säure  enthalten  habe.
Einen  anderen  Fall  tlieilt  Jäderholm  in  den  Jahrbüchern  für  Pharmacie
mit.  Eine  Familie  von  5  Köpfen  erkrankte  nach  dem  Genüsse  von  Kartoffeln,
welche  in  einem  Kessel  gekocht  waren,  welcher  vorher  zum  Färben  von  Wollengarn ­
  mit  Anilinroth  war  gebraucht  worden.  Es  traten  Erscheinungen  einer  toxischen ­
  Magen-Darm-Entzündung  auf;  die  3  Kinder  starben  ;  die  Eltern  genasen.
Die  Untersuchung  der  Kartoffeln  ergab,  dass  dieselben  Arsenik  enthielten';  auch
das  Wollengarn  erwies  sich  arsenhaltig.
Weitor  finden  sich  in  der  Literatur  verschiedene  Fälle  angeführt,
in  welchen  nach  mit  Fuchsin  geRirbten,  auf  blosser  Haut  getragenen
Jacken,  Strümpfen  u.  s  w.  Lezeme  und  Erytheme  sich  sollen  entwickelt ­
  haben.  Wenn  auch  in  diesen  Fällen  der  directe  Nachweis,
dass  das  betreffende  Fuchsin  arsenhaltig  war,  nicht  erbracht  ist,  so
liegt  eine  solche  Annahme  doch  sehr  nahe  und  ist  um  so  berechtigter, ­
  einmal  weil  die  Fuchsinfarben  den  Fasern  der  Wolle,  Baumwolle, ­
  Seide  etc.  so  fest  anhaften,  dass  durch  sie  ein  Reiz  der  Haut
kaum  möglich  ist,  und  dann,  weil  Eczemc  und  Erytheme  bei  Arbeitern
in  Anilinfarben-Eabriken  nicht  vorzukommen  pflegen,  in  specie  kamen
auf  den  Höchster  Fabriken  in  dem  Fuchsin-Hanme  (E.  Tab.  0)  innerhalb ­
  5  Jahren  hei  einem  durchschnittlichen  Bestände  von  *28  Arbeitern
nur  5  Fälle  von  Hautkrankheiten  und  unter  diesen  kein  Fall  von
Eczem  und  nur  ein  Fall  von  Erythem  vor.  Diese  Thatsache  ist  um
            
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