Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

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so  beweisender,  als  viele  der  betreffenden  Arbeiter  8  und  mehr  Jahre
stets  in  demselben  Raume  arbeiteten,  und  die  Hautoberfläche  sämmtlicher
  Arbeiter  täglich  von  dem  Farbstoffe  durchaus  geröthet  wird.
Während  so  die  klinischen  und  gewerblichen  Beobachtungen  als
übereinstimmend  zu  betrachten  sind,  mir  wenigstens  aus  der  Literatur
und  meiner  Erfahrung  kein  Fall  bekannt  ist,  in  welchem  durch  erwiesenermassen
  arsenfreies  Fuchsin  Nachtheile  für  die  Gesundheit
eines  Menschen  entstanden  sind,  stehen  die  Resultate  der  physiologischen ­
  Experimente  zur  Zeit  noch  sich  gegenüber.
Die  ersten  Versuche  stellte  1863  Sonnenkalb  und  zwar  mit  „giftfreiem“
Fuchsin  an.  Er  benutzte  Frösche  und  Hunde  und  fand,  „dass  diesem  Farbstoffe
eine  irgend  wie  giftige  Einwirkung  auf  den  thierischen  Organismus  nicht  beizumessen ­
  sei.“  Später  erschienen  Versuche  von  Bergeron  und  Clouet,  welche
ebenfalls  die  Unschädlichkeit  des  reinen  Fuchsin’s  erwiesen.
Auf  diese  folgten  die  auch  in  No.  36  des  Jahrganges  1877  der  Veröffentlichungen ­
  des  deutschen  Gesundheits-Amtes  übergegangenen  Untersuchungen  von
Ritter  und  Feltz,  nach  welchen  —  Moniteur  scientifique,  tom.  VI,  pag,  856  —
Fuchsin  der  Gesundheit  schädlich  ist  und  der  fortgesetzte  Genuss  von  mit  Fuchsin
gefärbtem  Weine  Koliken,  Diarrhoen  und  eiweisshaltigen  Urin  hervorruft.
Auffallend  bei  diesen  Untersuchungen  ist  der  Titel:  recherches  experimentales ­
  sur  l’action  de  l’aniline.  Die  bestehenden  Weine  waren  mit  „fuchsine  pure“
gefärbt,  und  es  dürfte  doch  schwerlich  zu  rechtfertigen  sein,  die  Wirkungen  von
Fuchsin  und  Anilin  zu  identificiren.
Auf  diese  Untersuchungen  folgten  von  denselben  Verfassern  zwei  Reihen
von  Thier-Versuchen,  deren  Resultate  in  dem  Moniteur  scient,  tom.  VII.  pag.  77
enthalten  sind.
Die  erste  Reibe  enthält  Versuche  über  Einverleibung  von  Fuchsin  in  den
Magen.  „Verhältnissmässig  geringe  Dosen“  erzeugten  bei  Hunden  Eiweissgehalt
des  Urins.  Die  zweite  Reihe  umfasst  Versuche  über  Einspritzungen  von  „fuchsine
pure“  in  das  Blut.  Auf  diese  zeigte  sich  Fuchsin  und  Eiweiss  sowie  granulirto
Cylinder  in  dem  Urin,  in  einem  Falle  auch  allgemeine  Wassersucht.  Mit  diesen
Beobachtungen  im  Leben  standen  die  Befunde  zahlreicher  Sectionen  im  Einklang.
Bei  diesen  Versuchen  wird  speciell  hervorgehoben,  dass  dieselben  mit
arsenfreiem  Fuchsin  angestellt  wurden.
In  directem  Widerspruch  mit  denselben  steht  eine  weitere  grosse  Versuchsreihe ­
  von  Bergeron  und  Clouet,  deren  Resultate  ebenfalls  in  torn.  VII  des
Moniteur  scientifique  enthalten  sind.
Einer  dieser  Forscher  nahm  durch  16  Tage  jeden  Morgen  eine  Quantität
Fuchsin,  im  Ganzen  8  g  ohne  irgend  welche  Verdauungsstörung  zu  spüren,  in
specie  ohne  Eiweiss  in  dem  Urin  zu  zeigen.
ln  einer  anderen  Versuchsreihe  wurde  durch  9  Monate  theils  nüchtern,
theils  nach  dem  Essen  Fuchsin  genommen,  ohne  dass  Diarrhoen  oder  Koliken
auftraten.  Auch  hierbei  war  kein  Eiweiss  in  dem  Urin  nachzuweisen.
Gleiche  Resultate  hatten  Versuche  mit  Fröschen  und  Lapins,  welche  durch
            
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