Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

27

sieben  Wochen  fortgesetzt  wurden.  Niemals  konnte  Eiweiss  in  dem  Urin  der  oft
mit  starken  Dosen  gefütterten  Thiere  nachgewiesen  werden.
Das  Fuchsin,  womit  Bergeron  und  Clouet  experimentirten,  kam  aus  dem
Hause  Lazard-Godchaux  in  Brüssel  und  war  dargestellt  durch  Oxydation  von
Anilin  mittelst  Nitrobenzol  in  Gegenwart  von  Eisen  und  Salzsäure.
Auch  von  Husson  in  Nancy  liegen  mehrere  Thier-Versuche  mit  Fuchsin
vor,  welche  dessen  Ungefährlichkeit  documentirén.
So  gab  iiusson  einem  Lapin  innerhalb  8  Stunden  8  g  Fuchsin,  ohne  jede
weitere  Wirkung  als  die  Zeichen  einer  beschleunigten  Athmung.
Die  Section  des  später  getpdteten  Thieres  ergab  ausser  einer  Blutstauung
in  den  Lungen  nirgends  eine  Erkrankung  irgend  eines  Organs.
Das  Interessanteste  in  dieser  Richtung  ist  eine  von  Dr.  Périquet  in  Benzeville
  mitgetheilte  Krankengeschichte  eines  9  jährigen,  an  Morbus  Brightii  leidenden
Mädchens,  bei  welchem  sich  von  0,1  bis  0,4  pro  die  /steigende  Dosen  von
Fuchsin  gegen  die  Krankheit  derart  heilsam  erwiesen,  dass  anfangs  nach  dem
Aussetzen  von  Fuchsin  der  Eiweissgehalt  des  Urins  stets  wuchs.  Im  Ganzen  hatte
das  Mädchen,  welches  geheilt  wurde,  circa  20  g  Fuchsin  genommen.
Bei  diesen  Widersprüchen  der  verschiedenen  Experimentatoren
sind  jedenfalls  unsere  Beobachtungen  auf  der  Höchster  Fabrik  von
grosser  Bedeutung,  für  welche  wir  aus  dem  Vorhergegangenen  recapituliren
  wollen,  dass  die  Darstellung  des  Fuchsins  auf  dieser  dieselbe ­
  ist,  wie  die  des  Hauses  Lazard-Godchaux.
Tab.  D.  6.  b.  zeigt  uns,  dass  von  41  in  dem  Fabrik-Raume
beschäftigten  Arbeitern
6  durch  3—4  Jahre,
10  n  b—6  n
4  „  8—10  „
1  ,  14
in  diesem  Raume  beschäftigt  waren.  Bei  keinem  dieser  Arbeiter
konnte  man  jedoch  eine  Abnahme  des  Körpergewichtes  oder
Neigung  zu  Diarrhöe  oder  Koliken,  oder  Störungen  in  der  Urinsecretion
  nachweisen,  trotzdem  der  feinvertheilte  Farbstoff  selbst  das
Innere  der  Mundhöhle  täglich  röthet  und  so  das  Verschlucken  nicht
unbeträchtlicher  Mengen  von  Fuchsin  mit  dem  Speichel  nicht  zu  vermeiden ­
  ist.  Auch  ergaben  Urin  -  Untersuchungen  vieler  Arbeiter,
welche  Samstag  Abends,  also  nachdem  die  Arbeiter  die  ganze  Woche
hindurch  in  dem  Fuchsin-Raume  beschäftigt  waren,  vorgenommon
wurden,  niemals  eine  Sjiur  von  Eiweiss.  Gleiche  Resultate  liefert  die
Zusammenstellung  der  Erkrankungen  in  den  Lager-  und  Expeditionsräumen, ­
  wie  dies  die  einschlägigen  Tabellen  des  Capitols  E.  zeigen.
Zur  Controle  der  erwähnten  Thier-Versuche  fütterte  ich  durch  mehrere
Wochen  2  Lapins  mit  Hafer  und  Gerste,  welche  mit  Fuchsin  gefärbt  war.  Es
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.