Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

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wurden  pro  die  50  g  Gerste  resp.  Hafer,  gefärbt  mit  0,5  Fuchsin  gegeben.
Die  Thiere  frassen  langsam,  blieben  aber  vollständig  munter.  Der  Urin  war  dick,
gelblich,  zeigte  aber  keine  Spur  von  Eiweiss.  Nach  einigen  Tagen  Panse  wurden
15  g  Fuchsin  zur  Färbung  von  1500  g  Gerste  verwendet  und  binnen
14  Tagen  verfüttert.  Auch  hierauf  trat  irgend  welche  Störung  in  dem  Befinden
der  Thiere  nicht  ein.  Eine  gleich  negative  Wirkung  hatten  •ßubcutane  Injectionen
—  täglich  1  —  2  Spritzen  einer  1  pCt.  Lösung.  Auch  ist  ein  Huhn,  welches  durch
3  Wochen  mit  Fuchsin  gefärbten  Hafer  frass,  heute  noch,  nach  mehreren  Wochen,
gesund.
Marron  Phosphin  Grenadin.  Ceris.
An  dieser  Stelle  müssen  noch  einige  weitere  Farbstoffe  erwähnt
werden,  welche  aus  den  Rückständen  der  Fuchsin-Schmelze  gewonnen
und  unter  obigen  Namen  in  den  Handel  gebracht  werden.
Auch  mit  diesen  stellte  ich  Fütterungsversuche  an,  indem  ich  je  5  g  zum
Färben  von  1  kg  Gerste  benutzte  und  innerhalb  10  Tagen  an  je  3  Lapins  verfütterte. ­
  Sämmtliche  Thiere  zeigten  nie  irgend  eine  Störung  ihrer  Gesundheit.
Bemerken  will  ich  hierzu,  dass  Jousset  de  Bellesme  —  recherches  sur
l’action  physiologique  du  grenat  ou  résidu  de  fabrication  de  la  fuchsine  —■  behauptet, ­
  dass  zum  Färben  der  Weine  weniger  Fuchsin  als  Grenat  benutzt  werde.
Die  Lösungen  des  Fuchsin  seien  zu  frischroth  und  in  ihren  Verdünnungen  zu
rosa,  während  die  Lösungen  von  Grenat  der  wirklichen  Kothweinfarbe  mehr  entsprächen. ­

Nach  Thier-Versuchen  hält  Jousset  das  Grenadin  für  gesundheitsschädlich,
indem  seine  Hunde,  Katzen  und  Lapins  nach  4  —  6  Wochen  starben,  und  er  bei
der  Section  einen  Ueberschuss  von  HarnstolT  in  dem  Blute  und  Urämie  als  Ursache
des  Todes  fand.
Meine  Versuche  in  dieser  Richtung  sind  zur  Zeit  noch  nicht  abgeschlossen
und  werde  ich  dieselben  demnächst  im  Detail  im  Anschluss  an  eine  specielle
Arbeit  über  Fuchsin  verölTentlichen  :  soviel  dürfte  jedoch  schon  jetzt  feststehen,
dass  bei  dem  Mangel  jeglicher  weiteren  Angaben  Jousset’s  über  das  von  ihm
verwendete  Grenadin  die  Annahme  berechtigt  ist,  dass  das  entsprechende  Fuchsin
mittelst  Arsen  gewonnen  wurde,  und  dass  somit  die  Rückstände,  aus  welchen  das
Grenat  dargestellt  wurde,  ebenso  wie  das  Grenat  selbst  nicht  frei  von  Arsen  waren.
4)  Der  IHan-Kanin.
Durch  Erhitzen  des  Fuchsin’s  oder  besser  des  Rosanilins  mit
reinem  Anilin  bei  Gegenwart  einer  organischen  Säure  (am  besten
Benzoesäure)  entsteht  ein  spritlöslicher,  blauer  Farbstoff,  das  Triphenylrosanilin,
  welcher  durch  Fällen  der  Schmelze  mit  Salzsäure  und
Wasser  als  krystallinisches  Pulver  erhalten  wird.
Der  spritlösliche  Farbstoff  wird  selten  in  der  Färberei  verwandt,  wohl  aber
das  in  Wasser  lösliche  sulfosaure  Salz  des  Triphenylrosanilins,  welches  durch
Einträgen  des  spritlöslichen  Körpers  in  erwärmte  englische  Schwefelsäure  entsteht;
die  hierbei  auftretenden  salzsauren  Gase  werden  in  den  Kamin  abgeführt.
            
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