Full text : Leben und Lehre des Buddha

Vorwort  zur  ersten  Auflage.
Der  Aufforderung  des  Herrn  Verlegers,  ihm  für  die  Sammlung
„Ans  Natur  und  Geisteswelt"  ein  Bändchen  über  „Leben  und  Lehre
des  Buddha"  zu  schreiben,  bin  ich  erst  nach  längerem  Bedenken  gefolgt. ­
  An  Werken  über  den  Buddhismus,  die  für  weitere  Kreise
bestimmt  sind,  ist  ja  kein  Mangel.  Alle  aber,  auch  das  hochstilisierte ­
  Buch  von  Oldenberg,  leiden  meiner  Überzeugung  nach  an
dem  Fehler,  daß  sie  den  Charakter  des  Buddhismus  als  einer  Religion ­
  nicht  scharf  genug  hervorheben  und  dem  indischen  Geiste,  der
aus  ihm  spricht,  zu  wenig  Rechnung  tragen.  Je  weiter  wir  in  der
Erforschung  Zentralasiens  vorschreiten,  um  so  mehr  stellt  sich  heraus, ­
  daß  der  Buddhismus  für  einen  großen  Teil  des  Orients  nicht
weniger  ein  Kulturträger  gewesen  ist  als  das  Christentum  für  den
Okzident.  Steigt  der  Buddhismus  als  Religion  immer  höher  im
Werte,  so  sinkt  er  als  Philosophie  immer  tiefer.  Mit  Garbe  und
Jacobi  bin  ich  überzeugt,  daß  Buddha  als  Philosoph  ganz  vom
Sämkhya-Yoga  abhängig  ist.  In  diesem  Sinne  habe  ich,  im  Gegensatz ­
  zu  Oldenberg,  versucht,  Buddhas  Lehre  zu  zergliedern.  Dabei ­
  mußten  mehr  technische  Ausdrücke  beibehalten  werden,  als  mir
im  Interesse  der  Leser  lieb  war.  Es  ließ  sich  aber  nicht  vermeiden.
Die  technische,  formelhafte  Sprache  der  buddhistischen  Schriften  ist
augenblicklich  noch  sehr  schwer  zu  verstehen,  da  erst  ein  ganz  geringer ­
  Teil  der  Kommentatorenliteratur  herausgegeben  ist.  Über
die  Wiedergabe  vieler  wichtiger  Begriffe  ist  unter  den  Forschern
noch  keine  Einigung  erzielt.  Seit  sich  in  Turkestan  Bruchstücke  des
für  verloren  gehaltenen  Sanskritkanons  gefunden  haben,  ist  ferner
die  Überlieferung  der  nördlichen  Buddhisten  in  ein  ganz  neues  Licht
gerückt  worden.  Sie  kann  bei  einer  Darstellung  der  Lehre  Buddhas ­
  fortan  nicht  mehr  außer  acht  gelassen  werden.
Der  Umfang  dieses  Bändchens  war  vorgeschrieben.  Deswegen
mußte  ich  mich  in  den  Abschnitten  IV  und  besonders  V  größerer
            
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