Full text: Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

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sieben Wochen fortgesetzt wurden. Niemals konnte Eiweiss in dem Urin der oft 
mit starken Dosen gefütterten Thiere nachgewiesen werden. 
Das Fuchsin, womit Bergeron und Clouet experimentirten, kam aus dem 
Hause Lazard-Godchaux in Brüssel und war dargestellt durch Oxydation von 
Anilin mittelst Nitrobenzol in Gegenwart von Eisen und Salzsäure. 
Auch von Husson in Nancy liegen mehrere Thier-Versuche mit Fuchsin 
vor, welche dessen Ungefährlichkeit documentirén. 
So gab iiusson einem Lapin innerhalb 8 Stunden 8 g Fuchsin, ohne jede 
weitere Wirkung als die Zeichen einer beschleunigten Athmung. 
Die Section des später getpdteten Thieres ergab ausser einer Blutstauung 
in den Lungen nirgends eine Erkrankung irgend eines Organs. 
Das Interessanteste in dieser Richtung ist eine von Dr. Périquet in Benze- 
ville mitgetheilte Krankengeschichte eines 9 jährigen, an Morbus Brightii leidenden 
Mädchens, bei welchem sich von 0,1 bis 0,4 pro die /steigende Dosen von 
Fuchsin gegen die Krankheit derart heilsam erwiesen, dass anfangs nach dem 
Aussetzen von Fuchsin der Eiweissgehalt des Urins stets wuchs. Im Ganzen hatte 
das Mädchen, welches geheilt wurde, circa 20 g Fuchsin genommen. 
Bei diesen Widersprüchen der verschiedenen Experimentatoren 
sind jedenfalls unsere Beobachtungen auf der Höchster Fabrik von 
grosser Bedeutung, für welche wir aus dem Vorhergegangenen reca- 
pituliren wollen, dass die Darstellung des Fuchsins auf dieser die 
selbe ist, wie die des Hauses Lazard-Godchaux. 
Tab. D. 6. b. zeigt uns, dass von 41 in dem Fabrik-Raume 
beschäftigten Arbeitern 
6 durch 3—4 Jahre, 
10 n b—6 n 
4 „ 8—10 „ 
1 , 14 
in diesem Raume beschäftigt waren. Bei keinem dieser Arbeiter 
konnte man jedoch eine Abnahme des Körpergewichtes oder 
Neigung zu Diarrhöe oder Koliken, oder Störungen in der Urin- 
secretion nachweisen, trotzdem der feinvertheilte Farbstoff selbst das 
Innere der Mundhöhle täglich röthet und so das Verschlucken nicht 
unbeträchtlicher Mengen von Fuchsin mit dem Speichel nicht zu ver 
meiden ist. Auch ergaben Urin - Untersuchungen vieler Arbeiter, 
welche Samstag Abends, also nachdem die Arbeiter die ganze Woche 
hindurch in dem Fuchsin-Raume beschäftigt waren, vorgenommon 
wurden, niemals eine Sjiur von Eiweiss. Gleiche Resultate liefert die 
Zusammenstellung der Erkrankungen in den Lager- und Expeditions 
räumen, wie dies die einschlägigen Tabellen des Capitols E. zeigen. 
Zur Controle der erwähnten Thier-Versuche fütterte ich durch mehrere 
Wochen 2 Lapins mit Hafer und Gerste, welche mit Fuchsin gefärbt war. Es
	        
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