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Eine Papiergeld-Emission vermehrt also die umlanfende
Geldmenge blos den Ziffern, nicht aber dem Wesen nach, es
kann ihr ans diesem Titel auch keine Wirkung auf den Zins-
Um einen Massstab für den Staatscredit %n finden, wurde der Durchschnitts-
cours des massgebenden östeireichischen Staatspapieres und zwar bis zum Jahre
18(58 der in Papier verzinslichen Staatsobligationen und von 1869 an der
Papierrente genommen. Aus früheren Jahren waren die Durchschnittscourse
nicht zur Hand, da verlässliche Aufzeichnungen und Berechnungen darüber
erst seit dem Jahre 186.1 von der Wiener Börsenkammer zusammengestellt
wurden. Als Massstab für die Bedürfnisse des Verkehrs dienen einerseits die
Aufzeichnungen über die Bewegung im auswärtigen Handel, andererseits die
Aufzeichnung über die Inanspruchnahme der Nationalbank im Escompte-
geschäfte. Ein genaues Yerhältniss beider zu dem wirklichen Umfange des
Verkehrs in jedem einzelnen Jahre kann zwar nicht behauptet werden, jedoch
bieten ohne Zweifel diese Daten im Ganzen und Grossen ziemlich verlässliche
Anhaltspunkte zur Beurtheilnng der einschlägigen Verhältnisse, in der Art,
dass eine Steigerung des auswärtigen Verkehrs und 'der Inanspruchnahme der
Bankcassen im Escomptegeschäfte auf eine allgemeine Steigerung der Verkehrs-
thätigkeit gedeutet werden kann und umgekehrt. Hinsichtlich des Umlanges
der Circnlationsmittel muss jedoch bemerkt werden, dass die Zitier des Noten
umlaufs bis zum .Tabre 18.53 inclusive ungenau ist, da nur der Banknoten
umlauf am Schlüsse eines jeden Jahres sich verzeichnet findet, neben demselben
aber noch ein Umlauf von Staatspapiergeld existirte. In den ersten 3 Jahren
1848, 1849 und 1850 war jedoch diese Staatsnotencirculation unbedeutend ; erst
von da ab bis zu Beginn des Jahres 1854 wurden grössere Quantitäten unver
zinslichen Staatspajjiergeldes in Cours gesetzt; auf dieses Staatspapiergeld konnte,
wie bemerkt, in obiger Zusammenstellung keine Rücksicht genommen werden,
da der von Jahr zu Jahr wechselnde Umfang dieser Emissionen in den Quellen
nicht angegeben ist, und die für diese 3 Jahre verzeichnete Circulationsmenge
erscheint demnach in der Tabelle wesentlich geringer, als sie in Wirklich
keit w.ßr.
Es zeigt sich nun, dass vom Jahre 1848 bis zum Jahre 1850 der Noten
umlauf steigt, und dem entsprechend auch der Werth der Circnlationsmittel
sich verringert. Wohl haben sich gleichzeitig die Umsätze im Escompte und
insbesondere im Aussenhandel gesteigert, dies dürfte jedoch durch die Wieder
einsetzung des Credites in seine durch die Revolutionsereignisse gestörten
Functionen wettgemacht worden sein. Dass im Jahre 1854 die Geldentwerthung
fortschreitet, trotzdem das Bedürfniss im Escompte sich namhaft erhöht hat
und trotzdem auch der Banknotenumlauf zurückging, erklärt sich daraus, dass
in diesem Jahre zum ersten Male ein besonders starker Umlauf unverzinslichen
Staatspapiergeldes neben dem Bankgelde auftritt. ln den zwei folgenden
Jahren sinkt das Disagio sehr wesentlich, obwohl sich der Notenumlauf nur
unwesentlich vermindert, da insbesondere im letzteren Jahre, in welchem auch
die Verbesserung des Geldwerthes einen schärferen Ausdruck erlangt, Aussen
handel und Escompte grössere Ziffern zeigen. Im folgenden Jahre steigt das