Full text : Die Zölle und Steuern sowie die vertragsmässigen auswärtigen Handelsbeziehungen des Deutschen Reiches

Geschichtliche  Einleitung.

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Berlin  seine  Geneigtheit  zur  Eröffnung  kommerzieller  Verhandlungen  mit  dem
Zollverein  kund  geben.')  Am  15.  Februar  1861  wurden  die  Verhandlungen
eröffnet  und  bereits  im  April  desselben  Jahres  theilte  die  Preußische  Regierung
den  übrigen  Vereinsregierungen  die  Französischen  Vorschläge  in  einer  Denkschrift ­
  vom  April  mit,  welcher  zwar  kein  Vertragsentwurf,  wohl  aber  eine
Darlegung  der  hierauf  bezüglichen  Voraussetzungen,  eine  Erörterung  der  wichtigeren ­
  Tarifpositioncn,  eine  vergleichende  Uebersicht  der  Französischen,  Englischen ­
  und  Vereinstarife  und  der  Entwurf  einer  Uebereinkunft  über  den  gegenseitigen ­
  Schutz  der  Rechte  an  literarischen  Erzeugnissen  und  Werken  beigefügt
war?)  Die  Aeußerungen  der  Vereinsregierungen  kamen  bereits  im  Mai
nach  Berlin.  Ein  Verlangen  Bayerns  auf  eine  Spezialkonferenz  in  Berlin
zur  Berathung  des  Vertrages  wurde  von  Preußen  abgewiesen.  Unterdessen
war  auch  Oesterreich  auf  Grund  des  Februarvertrages  von  1853  mit  einer
Denkschrift  vom  Sept.  1861 3 )  hervorgetreten  und  hatte  bestimmte  Vorschläge
zu  einer  näheren  Zollvereinigung  gemacht  und  es  begann  allerwärts  eine
Agitation  für  und  gegen  einen  Handelsvertrag  mit  Frankreich.  Während  dem
hatte  man  sich  in  Berlin,  wohl  besonders  aus  politischen  Gründen,  für  den
unverweilten  Abschluß  des  Vertrages  mit  Frankreich  entschieden  und  dieses
der  Französischen  Regierung  bekannt  gegeben?)  Am  29.  März  1862  erfolgte
denn  auch  die  Paraphirung  eines  Handelsvertrages,  eines  Schifffahrtsvertrages,
einer  Uebereinkunft  wegen  der  Abfertigung  des  internationalen  Verkehrs  auf
Eisenbahnen  und  einer  solchen  wegen  des  gegenseitigen  Schutzes  von  literarischen
Erzeugnissen  und  Werken  der  Kunst,  zu  Berlin,  und  durch  Zirkulardepesche
vom  3.  April  1862  theilte  die  Preußische  Regierung  den  Vereinsregierungen
diese  Resultate  zur  Aeußerung  mit?)  Die  Sächsische  Regierung  erklärte  sich
sofort  zustimmend,  während  Bayern  und  Württemberg  mit  ihrer  Zustimmung
zögerten  und  sie  später  versagten?)  Da  diese  Verträge  mit  Frankreich
unzweifelhaft.  die  Stellung  des  Zollvereins  zu  Oesterreich  total  änderten
und  die  Fortsetzung  und  weitere  Entwickelung  des  Febrllarvertrages  unmöglich
machen  mußten,  so  machte  Oesterreich  am  10.  Juli  1862  weitergehende  Zolleinigungsvorschläge,
  die  jedoch  nach  längerem  Depeschenwechsel  zu  keinem  Resultate ­
  führten?)
Unterdessen  wurden  zu  Berlin  am  2.  August  1862  die  paraphirten  Verträge ­
  von  deil  Preußischen  und  Französischen  Unterhändlern  unterzeichnet  und

y  v.  Festenberg  n.  a.  O.  S.  353  ff.
2 )  v.  Fcstenberg-Packisch  a.  a.  O.  S.  356  ff.,  in  Bezug  auf  die  Denkschrift,  und
Weber  a.  a.  O.  S.  374  ff.
*)  Ae  gidi  u.  Klau  hold,  „Die  Krisis  des  Zollvereins  urkundlich  dargestellt"  S.  210
(Beilage  zum  Staatsarchiv  1862);  v.  Festenberg  a.  a.  O.  S.  362.
şh  Weber  a.  a.  O.  S.  386.  Ein  Schreiben  des  dermaligen  Gesandten  von  Bismarck
an  Minister  von  Mantcuffel  v.  15.  März  1858,  abgedr.  im  IV.  Theil  von  Poschinger,
Preußen  im  Bundestage,  dürfte  Manches  erklären.  Dort  heißt  es  unter  Anderem:  „Ich  bin
mit  Ihnen  einverstanden,  daß  unsere  Stellung  im  Zollverein  verpfuscht  ist;  ich  gehe  noch
weiter,  indem  ich  fest  überzeugt  bin,  daß  wir  den  ganzen  Zollverein  kündigen  müssen,  sobald
der  Termin  gekommen  ist."  „Wir  müssen  in  der  noch  laufenden  Periode  den  anderen
Staateir  den  Zollverein  angenehm,  zum  unentbehrlichen  Bedürfniß  machen,  damit  sie  nach
der  Kündigung  den  Anschluß  an  unsere  Bedingungen  suchen."  Und  weiter  unten:  „Ich
glaube,  daß  wir  in  einem  nach  1865  von  Preußen  umgebildeten  Zollverein  eine  Art
Zo  llparlamcnt  errichten  müssen."
»)  Acgidi  u.  Klauhold  a.  a.  O.  S.  174  ff.
6 )  Depeschen  v.  8.  u.  11  Aug.  1862;  Aegidi  u.  Klauhold  a.  a.  O.  S.  358  ff.
»)  Aegidi  u.  Klauh  old  a.  a.  O.  S.  206.  215.  216.  223.  225.  227.  228.  235.  238.
            
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