Full text : Die österreichisch-rumänische Zollfrage

IT.

Die  Aufhebung  des  jetzt  bestehenden  Vieheinfuhrverbotes, ­
  die  weitere  Belassung  der  Zollfreiheit  für  rumänisches
Getreide,  das  sind  die  Kernpunkte  der  Forderungen  Rumäniens, ­
  von  deren  Gewährung  es  alles  Weitere  abhängig  macht.
Betrachten  wir  auch  hier  wieder  die  bisherigen  Verhältnisse, ­
  nachdem  wir  uns  vorher  näher  über  die  Bedeutung
der  Rinderpestgefahr  orientirt  haben.
Unstreitig  ist  diese  Krankheit  die  furchtbarste  Geissei,
die  das  Unglück  über  die  Viehzucht  eines  Landes  ergehen
lassen  kann.  Sie  decimirt  die  Heerden  mit  grausamer  Hartnäckigkeit. ­
  Und  während  sonst  gerade  bessere  Constitution
und  Ernährung  den  Krankheitsverlauf  milder  gestalten,  liegt
es  im  Wesen  und  im  Ursprung  dieser  Krankheit,  dass  sie
gerade  bei  den  wohlgehaltenen  Thieren,  und  zwar  der  westeuropäischen ­
  Racen,  vielleicht  wegen  ihrer  Verweichlichung,
fasst  immer  tÖdtlich  verläuft.  Ungleich  milder  tritt  die  Rinderpest ­
  bei  den  osteuropäischen  Rinderstämmen  auf.  Selbst  ein
Kind  des  Ostens,  findet  sie  sich  mit  den  Rindern  der  podolischen
  Race,  den  Schafen  und  Ziegen  der  Steppen  Russlands
und  Rumäniens  friedlicher  ab,  betragen  doch  beim  dortigen
Rinde  die  Fälle  mit  letalem  Ausgange  nur  (!)  30—50  Procent
der  Erkrankungsfälle  überhaupt.
Immerhin  aber  ist  auch  für  Russland  und  die  angrenzenden ­
  südöstlichen  Landstriche  die  Rinderpest  stets  von
verheerendster  Wirkung.  In  Russland  allein  fielen  —  nach
einem  officiellen  Berichte  des  russischen  Medicinaldepartements
  an  den  Minister  des  Innern  (citirt  in  Dr.  M.  F.
            
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