III.
Es würde uns gar nicht wundernehmen, wenn von
mancher Seite die Wünsche und Forderungen, die wir an
den neuen Handelsvertrag gegenüber dem bisherigen stellen,
als ein Uebermass, durch nichts gerechtfertigt, bezeichnet
würden. Man ist ja auch hier so leicht zum Rathe geneigt,
sich mit dem früher Errungenen zu begnügen, man deutet
in diesem Palle darauf hin, dass die Industrie und Land
wirtschaft wohl zufrieden sein sollten mit der vielleicht bald
gewährten einfachen Verlängerung des Zoll- und Handels
vertrages, man meint, sie werden, wenn sie dessen zehn
jährigen Bestand überdauert haben, ihn auch wohl noch
länger ertragen können.
Vielleicht wäre dies richtig, wenn in unserer schnell
lebigen Zeit zehn Jahre ebensoviel wären wie in den ver
gangenen Wirthschaftsperioden, wenn solche zehn Jahre von
heute nicht so bedeutende Wirthschaftswandlungen zu zeitigen
vermöchten.
Die Marktlage des Jahres 1886 ist in der That eine
wesentlich veränderte gegenüber der des Jahres 1875; In
dustrie und Landwirtschaft, Production und Handel zeigen
uns heute ein ganz anderes Bild. In Rumänien verursachte
der Abschluss der Zollconvention mit mehreren Staaten,
bei uns die allgemeine Depression des Weltmarktes, so grosse
Umwälzungen, dass der neue Handelsvertrag dadurch wesentlich
beeinflusst werden muss. Jeder Zollvertrag ist ja ein Kind
seiner Zeit; sollten wir einer neuen Zeit Veraltetes zu-
muthen dürfen?