41
auswärtigen Politik zu suchen ist, dass ferner mit dem Zoll
krieg meist auch eine Erkaltung der gegenseitigen Beziehungen
zwischen den betreffenden Staaten verbunden ist
Hat die auswärtige Politik in dieser Frage mehr zu sagen
als die Rücksicht auf unsere Production, und kann sie von
einer Nachgiebigkeit auf dem Gebiete unseres Handels mit
Rumänien einen Erfolg auf ihrem eigenen Boden erwarten,
dann müsste — und auch dann freilich nur in wohl zuzu
messendem Umfange — vielleicht doch ein Theil der rumä
nischen Wünsche erfüllt werden.
Begännen wir den Tarifkrieg mit verbündeten oder
befreundeten Staaten, wir erwähnen da beispielsweise
Deutschland und Serbien, so könnte das Auswärtige Amt
sein Veto einlegen, denn hier bestehen freundschaftliche
Gefühle, hier kann von einer möglichen Erkaltung die
Rede sein.
Bei einem Staate wie Rumänien aber ist weniger Vor
sicht nöthig, denn dort haben wir an Liebe nichts zu
verlieren, wohl aber an Achtung und Respect zu
gewinnen!
" Rumänien nährt eine Irredenta, die durch Zollbegünsti
gungen nicht zu gewinnen sein wird. Eine „Schulbücher-
Revision”, in diesem Lande durchgeführt, würde sehr
Interessantes zu Tage fördern! Es ist ein Öffentliches Ge
heimnis;, dass die rumänischen Schulatlanten Theile Sieben
bürgens und der Bukowina als rumänisches Gebiet ver
zeichnen. Die rumänische Jugend glaubt, soweit sie über
haupt Schulen besucht, an diese heute freilich erst in den
Schulbüchern, also ohne Schwertstreich erfolgte Annexion,
denn sie wird ja in der Schule als vollzogen gelehrt. Und
erinnern wir schliesslich noch an die panromanischen Publi-
cationen, die vor nicht langer Zeit von geschickter Hand weit
hinein nach Ungarn lancirt wurden!
Gewiss, Oesterreich-Ungarn ist dort weder jetzt beliebt,
noch sollte es daran denken, die Liebe erkaufen zu
können.