fullscreen: Gesellschaftslehre

Die verbale Beeinflussung. 
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Jagdzaubers vieler Naturvölker, wie er vor dem Beginn der Handlung 
selbst veranstaltet wird: auf die Tiere oder Feinde wird nicht gewirkt, 
wohl aber wird das Selbstvertrauen gehoben und damit die Aussicht auf 
den Erfolg gesteigert, weil der Glaube an den Zauber zu dem anerkann- 
ten Traditionsgut gehört. Es macht dabei keinen Unterschied, ob die 
Überzeugung von außen mitgeteilt oder selbst erzeugt ist. Auch Auto- 
suggestionen sind auf diesem Gebiet weit verbreitet. Ein Fall von be- 
sonders starker Wirkung ist z. B. die Erscheinung der Stigmatisation bei 
inbrünstiger Andacht, d. h. der Nachbildung von Wunden des Heilandes 
durch Blutschwigen!). So beeinflußt allgemein die Hoffnung auf 
wachsende Gesundheit unser Befinden im günstigen und die Befürchtung 
der Erkrankung unser Befinden im ungünstigen Sinne. 
Maßgebend ist natürlich in allen diesen Fällen die Überzeugung von dem 
Eintreten des Ereignisses — ebenso wie die von andern ausgesprochene Behauptung, 
daß ein günstiges oder ungünstiges Ereignis eintreten wird, nicht als bloße Rede 
wirkt, sondern als Ausdruck einer Überzeugung, die ich zu meiner eigenen mache. 
Die Aussage, daß meine Gesundheit sich täglich bessert, mir täglich vorzureden, hat 
also nur dann Wert und dadurch, daß ich von der Wirksamkeit dieser Prozedur von 
vornherein überzeugt bin: nicht die Rede, sondern der Glaube an die 
Besserung der Gesundheit, der von der antoritativen Person übernommen ist, gibt die 
wirksame Kraft ab. 
Die zulegst erwähnte verbale Beeinflussung organischer Vorgänge ist nach ihrem 
Wesen durchaus verschieden von den bisher betrachteten Fällen. Bei der verbalen Be- 
einflussung von Überzeugungen, Gefühlen und Handlungen wirkt die Seele auf 
die Seele. Hier dagegen wirkt die Seele auf den Leib, und zwar wirkt 
genauer betrachtet zunächst die Seele des andern auf meine Seele und diese auf 
meinen Leib. Dieser Fall interessiert uns hier nur wegen des ersteren Umstandes, — 
nur weil also auch in ihm eine Wirkung von Seele auf Seele enthalten ist. Die Vor- 
gänge der Autosuggestion ferner, von denen eben ein Beispiel angeführt wurde, kom- 
men für unseren Zusammenhang ebenfalls nicht in Betracht. Nur die Beeinflussung, 
die die Seele von der Seele erfährt, ist in der folgenden Betrachtung gemeint. die 
sich auf die Bedeutung dieses Vorganges bezieht. 
1l. Ein tieferes Verständnis der erörterten Beeinflussung ist un- 
möglich vom Standpunkt des üblichen Individualismus aus, für den der 
einzelne in sich abgeschlossen dasteht, andere Menschen als fremde 
Wesen erlebend und nur durch seine eigenen Triebkräfte (für den Ra- 
tionalismus sogar nur durch seine Vernunft) in seinem Verhalten be- 
stimmt. Eben daher ist die in Frage stehende Beeinflussung auch be- 
sonders dazu angetan, das Unhaltbare dieses Standpunktes zu zeigen. 
Wirklich verstehen können wir sie nur, wenn wir davon ausgehen, daß 
die Gemeinschaft den natürlichen Zustand des Menschen bedeutet. Ge- 
meinschaft aber bedeutet einen Zustand der inneren Verbundenheit — 
L) Beispiele bei Stoll, Hypnotismus und Suggestion in der Völkerpsychologie? 
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