101
Ufern des Jtajahy, liegt die gleichfalls in herrlichem Auf
blühen begriffene Kolonie Blumenau, so benannt nach ihrem
Gründer, dem Dr. Blumenau aus Braunschweig, welcher im
September 1850 sich hier mit 17 Personen niederließ. Gegen-
wärtig hat die Kolonie, deren Mittelpunkt die Stadt Blumenau
bildet, 20,000-21,000 Einwohner, von denen über 16,000 die
deutsche Sprache reden. Ein Flußdampfer verbindet Blumenau
mit dem Hafen Jtajahy, welcher einen recht lebhaften Schiffs
verkehr unterhält mit Rio de Janeiro, Montevideo und Buenos
Aires. Auch in Blumenau erscheinen, wie in Joinville, zwei
deutsche Zeitungen. Das südlich von Blumenau gelegene
Brusgue wird von nahe an 3000 Deutschen bewohnt.
Die eines herrlichen Klimas sich erfreuende Provinz Rio
Grande do Sul zählt nach von Koseritz und Selli«
ca 560,000 Einwohner, unter denen sich ungefähr 80,000 Deutsche
befinden, nach Lange sogar 102.000. Nach Karl Bolle
leben in Rio Grande do Sul unter 6—700,000 Bewohnern
90 100,000 Personen deutscher Abstammung. Jedensalls machen
also die Deutschen an Zahl V, der Gesammtbevölkerung aus.
Der in deutschen Händen besindliche Grundbesitz verhält sich
nach Sellin zu dem gesammtcn angebauten Grund und Boden
der Provinz an Ausdehnung wie 1 : 5, an Werth wie 1:3;
von den Staats- und Communallasten tragen die deutschen
Bewohner der Provinz die Hälfte. Diese Zahlen schildern die
Stellung des Deutschthums in Rio Grande do Tul beredter,
als Worte es zu thun vermöchten. Auch politisch haben sich
die Riograndenser Deutschen einen nicht zu unterschätzenden
Einfluß errungen; ihr hervorragendster politischer Führer ist Herr
Karl von Koseritz. Herausgeber einer vielgelesenen deutschen
Zeitung in Porto Alegre. In der ebengenannten Haupt-