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nie überschritten werden kann, ist dieses nicht der Fall. Ein
aUzustarkes ttebcrwiegen der industriellen über die landwirth»
schastliche Thätigkeit würde ferner die Bevölkerung im höchsten
Grade vom Auslande abhängig machen; ein Theil des Aus-
landes brauchte nur seine Märkte den Jndustrieerzeugnifsen des
betreffenden Staates zu verschließen, und Tausende von Arbe^
tern und Arbeitgebern würden auf der Stelle brotlos. Es
hängt ganz von dem Charakter der Bevölkerung, von der geo
graphischen Lage, von der Bodenbeschaffenheit und von sämmt
lichen natürlichen Hülfsquellen eines Staates ab, welches Ver-
hältniß zwischen landwirthschaftlicher und industrieller Thätigkeit
für ihn das günstigste ist; vor allen Dingen jedoch ist die B»
schaffenheit des in- und ausländischen Marktes hier maßgebend.
Je lohnender und je sicherer die Absatzmärkte für die nationalen
Jndustrieerzeugnisse sind, desto weiter darf sich dieses Verhältniß
zu Gunsten der industriellen Thätigkeit verschieben und eine
desto zahlreichere Bevölkerung vermag der Staat zu ernähren,
ohne daß gefährliche Krisen und Störungen ;u besorgen wären.
$ic sichersten unter den auswärtigen Absatzgebieten für die In-
dustric eines Staates sind offenbar diejenigen, welche in seinen
politischen Machtbereich fallen; daher ist das eifrige Bestreben
der europäischen Industriestaaten. Kolonien und Schutz-
Herrschaften zu erwerben, durchaus verständlich und ge-
rechtfertigt.
Durch den jeweiligen Zustand der Landwirthschast, ja mc'
im "eiteren Sinne auch Jagd und Fischfang zu zählen
lnd, und der Industrie, sowie in zweiter Linie durch die Art
der Vertheilung des vorhandenen Grundbesitzes und Kapitales
wlrd die Bevölkerungsziffer eines Staates bestimmt. Die jähr-
iche Zunahme der Bevölkerung bietet also gewissermaßen einen