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sie zwischen Provinzen des letzteren besteht, würde bei der ge-
wältigen Verschiedenheit der Sonderinteressen lediglich als Feffel
empfunden werden und nur dazu dienen, die gemeinschaftlichen
nationalen Interessen in den Hintergrund zu drängen. Vor
allen Dingen müßte der Mutterstaat sich hüten, die Kolonie
lediglich als Ausbeutungsobjekt zu betrachten. Der freien Ent-
Wickelung der kolonialen Industrie dürsten keine Schranken ge
setzt werden und nur so lange diese noch nicht weit genug vor
geschritten ist, den Bedarf der Kolonisten selbst decken zu können,
müßten die letzteren veranlaßt werden, die nöthigen Industrie-
waaren aus dem Mutterlande zu beziehe». Selbst da, wo eine
politische Einheit in keinerlei Form vorhanden ist, sind tüchtige,
levenskrästige Kolonien immer von großem Vortheil für den
Mutterstaat, nicht allein weil die gemeinsame Sprache und
^ltte, sowie die tausend Bande der Verwandtschaft und Frcund-
Miaft, welche die Kolonisten mit den Zurückgebliebenen ver
knüpfen, erstere schon von selbst veranlassen, ihren Waaren-
bedarf aus der Heimath zu beziehen, sondern vor allen Dingen,
weil, wie schon bemerkt wurde, eine entwickelungsfähige Kolonie
einen unmittelbaren Zuwachs der Nation an Macht und Größe
bedeutet. Stets sollten Zurückgebliebene sowohl wie Kolonisten
dessen gedenken, daß sie Kinder eines Stammes sind, welche in
dem großen Völkerkampfe, der immer heftiger zu entbrennen
droht, die Pflicht haben, fest zu einander zu halten.
Von den Ackerbaukolonien sind — was häufig verkannt
">lrd — die Handelskolonien durch und durch verschieden.
Handelskolonien sind Gebiete, welche unter staatliche Oberhoheit
Gestellt sind, um die in ihnen befindlichen Märkte dem heimischen
Handel und der heimischen Industrie zu sichern. Man nennt
auch wohl einfache Handelsniederlassungen Handelskolonien;