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Aie Wellmachtstessung des deutschen Kolkes.
Werfen wir einen Blick auf die nunmehr 2v00.jährige Geschichte
derDeutschen, so finden wir, daß seitdem im Jahre 113 v. Chr. G.
die Cimbern und Teutonen nach Gallien und Italien vor
drangen und zum ersten Male der furor teutónicas die Welschen
erbeben machte, unsere Nation mehrfach in der Lage war, sich
die Oberherrschaft über die anderen Völker Europa's dauernd
zu sichern, daß aber leider stets die günstige Gelegenheit ver
scherzt wurde. Statt mit vereinten Kräften sich gegen das feind-
liche Ausland zu wenden, zerfleischten die deutschen Stämme
einander gegenseitig in rasender Wuth, statt auf die Einigung
und Vergrößerung der Nation bedacht zu sein, jagte man eitlen
kosmopolitischen Träumen nach. Aon jeher war die Zwietracht
der böse Engel der Deutschen. Selbst der Kriegskunst eines
Marius würden die Cimbern und Teutonen schwerlich unter
legen sein, wenn sie nicht zur unrechten Zeit sich getrennt, son-
dern vereint das Römerheer zum Kampfe gezwungen hätten.
Die Niederlage der Cimbern und Teutonen, sowie der an dem
edlen Suevenkönige A rio vi st geübte tückische Verrath Julius
Cäsars wurde jedoch bald gerächt. In zahllosen Schaaren über-
flutheten die deutschen Völker das römische Weltreich, Alles vor
sich niederwerfend, überall den Grund zu neuen Staaten legend;
selbst bis nach Spanien drangen die Westgothen, bis in Afrika
hinein die tapferen Vandalen vor. Sie verfuhren jedoch dabei
so wenig zielbewußt, daß sie, um sich in der ganzen Welt zu
zerstreuen und zu verzetteln, einen großen Theil ihrer Urheimath,
in welcher sie doch stets die eigentlichen Wurzeln ihrer Kraft