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nationalen Wohlstandes verbunden. Gegen Ende des Mittel-
alters war Deutschland das reichste Land der Welt, sein Handel,
seine Schiffahrt, seine Gewerbe standen in höchster Blüthe, die
deutsche Hansa beherrschte die Meere, die Kaufherren der mäch
tigen süddeutschen Ltädte sandten ihre Waaren bis zum fernen
Fabellandc Indien. Gerade zur unrechten Jeit verschwanden
diese Herrlichkeiten. Als Portugiesen. Spanier. Holländer,
Franzosen, Engländer die neu entdeckten überseeischen Länder
und Handelsstraßen in vollem Maße ausnutzten, verzehrten die
Deutschen ihre Kräfte in inneren verheerenden Kriegen. Teutsch-
land. früher weltberühmt durch den Reichthum seiner Städte,
den Kunst- und Gewerbefleiß seiner Bürger, verarmte und sank
bald herab zu einem wirthschaftlichen Schleppträger Groß-
bntanniens; es wurde für England, was vordem England für
die Hansa gewesen war: ein Ausbeutungsgegcnstand. Doch auch
aus dieser Erniedrigung auf wirthschaftlichcm Gebiete raffte das
deutsche Volk sich empor. Seit den zwanziger Jahren dieses
Jahrhunderts, seitdem die K ö n i g l i ch p r e u ß i f ch e R e g i e r u n g
die wirthschaftliche Einigung Deutschlands — außer Oesterreich —
mit Erfolg anbahnte, ist die deutsche Industrie, der deutsche
Handel in stetem Aufschwünge begriffen, und dieser Aufschwung
nahm eine staunenerregende Ausdehnung an, als der wirth-
schaftlichen Einigung die politische folgte und nunmehr die
deutsche Nation mit Hülfe der stärksten Kriegsmacht der Welt
und einer Achtung gebietenden Marine ihren Angehörigen in
Europa sowohl wie in den fernsten Ländern und Meeren den
wirksamsten Schutz zu gewähren vermochte. Jetzt ist die deutsche
Exportindustrie nächst der englischen die größte der Welt und
an allen Ecken und Enden wird die wirtschaftliche Weltherr
schaft Englands, dank dem Unternehmungsgeiste und der Rührig-