Full text : Schutz dem Arbeiter!

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Arbeitskräfte,  die  auf  Kosten  von  Gesundheit  und  Leben  geht.  So  wird
die  Accordarbeit  leicht  nicht  nur  zu  „Mordarbeit",  sondern  ist  auch  geeignet, ­
  den  durchschnittlichen  Arbeitslohn  im  Verhältniß  zur  Arbeitsleistung
herabzusetzen.  In  der  That  sind  diese  Gefahren  nicht  absolut  ausgeschlossen. ­
  Auch  principiell  ist  die  Accordlöhnnng  ohne  jede  Rücksicht
auf  die  persönlichen  Verhältnisse  des  Arbeiters  bedenklich;  sie  ist  die
Konsequenz  der  rein  manchesterlichen  Auffassung,  die  Arbeit  zu  „messen"
und  zu  „wägen"  wie  jede  andere  Waare.  Der  Familienvater  wird  nach
demselben  Maßstabe  gelöhnt  wie  das  unverheirathete  Mädchen;  der  alte,
iu  Treue  bewährte  Arbeiter  verdient  nach  25  Dienstjahren  vielleicht
weniger  als  sein  17jähriger  Sohn,  der  eben  eingetreten.
Auch  bei  Accordlöhnnng  ist  eine  Bev  orzngung  bei  Zuteilung  der
Arbeitsstellen,  Arbeitsmaschinen  und  Arbeitsstoffe  möglich;  meistens  liegt
diese  aber  in  der  Hand  der  Angestellten  und  Meister,  und  kommt  es  aus
diese  an,  ob  den  Grundsätzen  der  Gerechtigkeit  und  Billigkeit  Rechnung
getragen  wird.  Es  ist  die  Pflicht  des  Arbeitgebers,  Sorge  zu  tragen,
daß  nicht  Bestechung  und  Parteilichkeit  einreiße  —  nur  gewissenhafte
Meister  angestellt  werden  —  und  daß  auf  ältere,  bedürftigere  Arbeiter,
auf  die  Familienverhältnisse  Rücksicht  genommen  werde.  Auch  können
die  Accordsätze  je  nach  Dienstjahren  procentual  erhöht  werden.
Alle  Wege  der  Ausbeutung  und  des  Mißbrauchs  lassen  sich  nicht
durch  Gesetz  abschneiden.  Die  Accordlöhnnng  hat  so  viele  Vorzüge ­
  —  soweit  sie  anwendbar  ist  —  daß  sie  unmöglich  verboten
werden  kann.  Sie  ist  nicht  bloß  ein  Ansporn  zum  Fleiß  —  im  Interesse
des  Arbeitgebers  —  sondern  liegt  ebenso  im  Interesse  der  strebsamen  und
süchtigen  Arbeiter.
Einfacher  und  fruchtbarer,  als  die  Erhöhung  der  Jntensivität  der
Arbeiter,  erweist  sich  für  den  Arbeitgeber  meistens  die  Steigerung  der
Arbeitsleistung  und  Ausnutzung  der  Arbeitsmaschinen  durch  die
Ausdehnung  der  Arbeitszeit.
Mit  der  Einführung  der  Maschine  macht  sich  dieses  Streben  in
allen  Industriestaaten  in  gesteigertem  Maße  geltend.  So  wurde  die
Maschine,  anstatt  der  Entlastung  der  Menschen  zu  dienen,  vielfach  zu
ünem  Hebel  rücksichtslosester  Ausbeutung  der  menschlichen  Arbeitskraft.
Iu  England,  der  Wiege  der  Großindustrie,  zeitigte  sie  wahrhaft  erschreckende ­
  Zustände;  dort  aber  brach  sich  auch  zuerst  die  Reaction
Ņahn.  Ein  höchst  lehrreiches,  auf  amtliches  Material  gestütztes  Bild
dieser  Zustände,  wie  auch  des  socialen  Kampfes  zur  Erringung  eines
gesetzlichen  Schutzes  hat  uns  Karl  Marx  in  seinem  „Capital"  (1.  Bd.
Ausl.  Hamburg,  1872)  entworfen.  Im  Jahre  1847  endlich  wurde
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