Die Gruppe der Verwaltungsbeamten
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Alfred de Foville, Professor der Nationalökonomie an der
Ecole libre des Sciences politiques, hat in der Staats
verwaltung Karriere gemacht 1 ). Er besitzt in hohem Maße die
dem französischen Charakter eigene Liebenswürdigkeit. Diese
ist der dominierende Zug aller seiner Schriften 2 ). Professor
Gide sagt von ihm: „Er ist zweifelsohne ein Statistiker, wie
es keinen zweiten in der Welt gibt. Geist, Anmut und voll
endete Kunst weiß er in diese Wissenschaft zu tragen, die als
die trockenste von allen gilt, unter seiner Feder aber zur Freude
der Leser wird“ 3 ).
Der Nichtinterventionismus präsentiert sich bei de Foville
als das selbstverständlichste und harmloseste Ding der Welt.
Die ewigen Naturgesetze der Volkswirtschaft stimmen wunder
bar mit dem Sittengesetz überein, und „niemand hat mehr zur
Besserung der Lage der Arbeiterbevölkerung in den großen
Industriestädten beigetragen als Villermé, Llanqui, Key
baud, Jules Simon usw.“ 4 ).
Als Leiter des statistischen Bureaus im französischen
Finanzministerium führte de Foville eine Reorganisation des
statistischen Dienstes des Staates durch; insbesondere bildete
1) A. de Foville hatte ursprünglich die militärische Laufbahn eingeschlagen.
Als Leutnant nahm er seine Entlassung, studierte .Rechts- und Staatswissenschaft
und war dann der Reihe nach: auditeur am Conseil d'Etat, Vorstand des statisti
schen Bureaus des Finanzministeriums, Direktor der Pariser Münze und seit 1900
conseiller-maître an der Cour des Comptes. Seit 1872 ist er Professor an der
Ecole libre des Sciences politiques, von 1882—1893 dozierte er ebenfalls am Conser
vatoire des Arts et Métiers. Er ist ferner Mitglied der Académie des Sciences
morales et politiques und seit 1897 Vorsitzender der Société des Etudes économi
ques, einer freien Vereinigung von zumeist früheren Schülern der Ecole des
Sciences politiques.
2 ) de Fovilles hauptsächlichste Schriften sind: Essais sur les Variations des
Prix, Paris, 1873. — La Transformation des Moyens de Transport et les Con
séquences économiques et sociales, Paris, 1880. — L’Administration de l’Agri
culture au Contrôle général des Finances sous Louis XVI, Paris, 1883. — Le
Morcellement, Paris, 1885. — La France économique, Statistique raisonnée et
comparative, Paris, 1. Ausi. 1887, 2. Ausi. 1890. — Enquête sur les conditions
de l’habitation en France, Paris, 1899. — La Monnaie, Paris, 1907.
3 ) Ch. Gide, Die neuere volkswirtschaftliche Literatur Frankreichs, in
Schmoll ers Jahrbuch, 1895, p. 719—720.
4 ) A. de Foville, L’Economie politique dans l’enseignement secondaire, in :
Revue universitaire, 15. März, 1892, p. 260 if.