Full text : Schutz dem Arbeiter!

sich  nicht  der  Einsicht  verschließen,  daß  wir  hier  einer  traurigen  Entwickelung ­
  entgegen  gehen,  daß  die  Fabrik-Jugend  gerade  das  stärkste
Contingent  zur  Social-Demokratie  stellt;  aber  es  geht  vielfach,
wie  es  der  Düsseldorfer  Bericht  bezüglich  den  Centren  der  Eisenindustrie ­
  constatirt:  „Bittere  Klagen  werden  (auch)  von  den  Unternehmern ­
  laut,  ohne  daß  jedoch  bisher  energische  Anstrengungen ­
  bemerkt  wurden,  gegen  die  Uebelstände  vorzugehen." ­
  Die  elterliche  Autorität  muß  zunächst  wieder  eingesetzt ­
  werden  in  ihr  Recht:  das  ist  der  Cardinalpunkt  aller  Soñalreform.
  Die  kleinen  Mühen  und  Kosten  dieser  Einrichtung
dürfen  nicht  zurückschrecken,  wo  es  sich  um  so  wichtige  sittliche
Interessen  handelt.
In  der  That,  die  Bedeutung  der  Einrichtung  kann  nicht  hoch  genug
geschätzt  werden,  wenn  sie  allgemein  wird.  Wenn  der  Gymnasiast  bis
zur  Prima  hinauf  gehalten  ist,  sein  Zeugniß  mit  der  Unterschrift  des
Vaters  wieder  vorzulegen,  so  heißt  das  nichts  anderes,  als:  Du  bist
noch  nicht  selbständig,  du  stehst  noch  unter  der  erziehenden  Hand  deiner
Eltern.  Wenn  dieses  Gefühl  gepflegt  wird  in  der  Gymnasial-Jugend,
wie  viel  nothwendiger  bedarf  dann  die  Arbeiter-Jugend  der  Erhaltung ­
  und  Stärkung  dieses  Bewußtseins,  wo  die  sittlichen  Gefahren
größer  sind,  das  reiche  Verdienst  die  Gelüste  nach  Selbständigkeit  fördert,
wo  die  Kinder  nicht  auf  die  Eltern  angewiesen  sind,  sondern  die  Eltern
oft  umgekehrt  der  Unterstützung  der  Kinder  bedürfen  und  auf  deren
liebevolle  Hülfe  gerechten  Anspruch  haben,  entsprechend  den  großen
Opfern,  die  sie  für  ihre  Kinder  gebracht.  Wie  könnte  der  Arbeitgeber
es  gleichgültig  ansehen,  daß  diese  Pflichten  des  Dankes  verletzt
werden.  Läßt  sich  mit  solchen  Arbeitern,  die  selbst  die  Kindespflichten
  schwer  verletzen,  der  Frieden  und  das  Gedeihen  einer  Fabrik
begründen?  Könnte  er  es  verantworten,  wenn  er  der  Gemeinde,  dem
Staat  und  der  Gesellschaft  solche  Elemente  heranzieht?!  Die
Fabrik  kann  nicht  die  Jugend  erziehen,  wie  der  Meister  den  Lehrling
Erzieht  in  seiner  Familie  und  Werkstatt;  wohl  aber  kann  und  soll
sie  die  gegebenen  Erzieher  —  die  Eltern  —  in  Erfüllung  ihrer
Pflichten  unterstützen,  und  das  beste  Mittel  dazu  ist  die  geschilberte
  Einrichtung.
B.  Festsetzung  einer  Arbeits  (Fabrik-)  Ordnung.
Die  formelle  Vereinbarung  zwischen  Arbeitgeber  und  Arbeiter  bezüglich
ber  Bedingungen  des  Arbeits-Vertrages  beschränkt  sich  namentlich  in
größern  Unternehmungen  gewöhnlich  nur  auf  die  Festsetzung  des  Lohnes
            
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