Object : Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

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natürlichen  Zustand  darstelle,  hervorgerufen  durch  Gips,  welcher  vielfach  die
Steinsalzlagerstätten  als  geologischen  Bestandteil  begleitet.  Die  Gipsbeimischung
im  Steinsalz  belief  sich  damals  auf  1  %,  hatte  also  für  die  Gesundheit  Schädliches ­
  nicht  an  sich.
Anschließend  hieran  sei  auch  eines  Vorganges  gedacht,  der  kulturgeschichtlich
nicht  ohne  Interesse  ist 1  2 ).  Im  Jahre  1849  hatte  die  Regierung  den  Preis  des
Steinsalzes  für  Jndustriezwecke  auf  18  kr.  für  den  Zentner  herabgefetzt,  welcher
Preis  sich  ab  Bergwerk  Wilhelmsglück  verstand.  Diese  Maßnahme  war  hauptsächlich ­
  zur  Hebung  und  Förderung  einzelner  Gewerbe,  wie  Seifensieder,  Rotgerber ­
  usw.  getroffen  worden.  Nun  hatte  diese  Preisherabsetzung  eine  eigentümliche ­
  Wirkung.  Es  kam  nämlich,  besonders  im  Oberamt  Herrenberg,  zur
Entwicklung  einer  interessanten  Salzindustrie,  die  sich  auf  folgender  Grundlage
vollzog.  Zahlreiche  Leute  kauften  das  für  den  menschlichen  Genuß  durch  Beimischung ­
  von  Sand  und  Asche  unbrauchbar  gemachte  Steinsalz  mit  der  Angabe,
es  industriell  verwenden  zu  wollen.  Zu  Hause  wurde  dann  durch  primitive
Destillationsverfahren  Sand  und  Asche  niedergeschlagen,  worauf  man  die  so  gewonnene ­
  Sole  wieder  zu  Kochsalz  im  Siedeverfahren  verarbeitete.  Da  man
dieses  Steinsalz  zu  dem  sehr  billigen  Preise  von  18  kr.  bezogen  hatte,  ergab
sich  für  diese  Salzsieder  ein  recht  ansehnlicher  Gewinn.  Diese  Art  Salzfabrikation
nahm  zuletzt  solche  Ausdehnung  an,  daß  die  Regierung  nahe  daran  war,  den
billigen  Steinsalzpreis  für  Gewerbezwecke  ganz  aufzuheben.  Man  begrenzte
zuletzt  die  Abgabe  von  Gewerbesalz  auf  eine  bestimmte  Menge.  Die  württembergische
  Kammer  wurde  immer  wieder  bei  der  Regierung  um  Herabsetzung  des
Salzpreises  vorstellig.  Gleiche  Vorgänge  spielten  sich  auch  in  den  1850er  Jahren
in  der  preußischen  Kammer  ab,  wo  es  vornehmlich  der  bekannte  rheinische  Eisenindustrielle ­
  Harkort  war,  der  eine  Herabsetzung  der  Salzpreise  forderte.
Man  berief  sich  vielfach  auf  England,  das  um  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts ­
  keine  Salzsteuer  besaß.  In  Frankreich  hob  man  im  Jahre  1848  die
Salzsteuer  keineswegs  ganz  auf,  sondern  setzte  sie  auf  10  cts.  per  Kilogramm
fest.  Die  Sälzpreise  waren  um  diese  Zeit  in  England  erheblich  niedriger  als
in  Württembergs).  So  hatte  der  Abg.  Moriz  Mohl  auf  einer  Reise  durch  England ­
  festgestellt,  daß  z.  B.  in  Manchester  bei  den  Bäckern  das  Pfund  Salz  im
Einzelverkauf  nur  3 U  kr.  kostete;  im  Engrosverkauf  gar  nur  V 3  kr.  per  Pfund.
Die  englischen  Bäcker  betrieben  um  jene  Zeit  überwiegend  den  Salzverkauf.
Im  Jahre  1855  stellte  sich  der  Kochsalzpreis  in  Württemberg  im  Einzelverkauf
auf  3  kr.  pro  Pfund  und  Steinsalz  auf  1V2  fr. 3 ).
Um  das  Jahr  1855  wurde  den  württembergischen  Fabriken,  insbesondere
den  chemischen,  das  Steinsalz  zu  18  kr.  per  Zentner  abgegeben.  Da  jedoch  die
heimische  Steinsalzproduktion  den  Inlandsbedarf  überstieg,  so  mußte  man  die
Mehrproduktion  im  Auslande  abzusetzen  suchen.  Da  man  hier  jedoch  mit
Konkurrenz  zu  rechnen  hatte,  entschloß  man  sich,  vereinzelt  an  das  Ausland
billiger  als  im  Inland  zu  verkaufen.  So  wurden  um  das  Jahr  1855  wiederholt ­
  20—40000  Zentner  Steinsalz  nach  der  Gegend  von  Aachen  und  Duisburg
zum  Preise  von  15  kr.  per  Zentner  verkauft.  Näher  im  Ausland  gelegene
1)  Verhandlungen  d.  württ.  Kammer  der  Abg.  Jahr  1851.  II.  Band.  S.  1101.
2)  G.  von  Schönberg,  Handbuch  d.  Pol.  Oekonomie.  Finanzwiss.  Tübingen  1897.
S.  600.
3)  Verhandlungen  d.  württ.  Kammer  der  Abg.  Jahr  1855.  II.  Band.  S.  1304.
            
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