Full text : Schutz dem Arbeiter!

freiheit  und  das  Recht  der  Arbeitseinstellung  wie  für  den  Arbeitgeber, ­
  so  auch  für  die  Arbeiter  gesetzlich  anerkannt  ist,  nachdein
  und  in  demselben  Maße  als  die  wirthschaftlichen  Kämpfe  und
—  Ausstände  iti  allen  Industriestaaten  an  Zahl  und  Umfang
stetig  wachsen,  muß  es  im  Interesse  der  Arbeitgeber  wie  Arbeiter,  der
Producenten  wie  Consúmente»,  der  Gesellschaft  wie  des  Staates  als  eine
der  wichtigsten  Aufgaben  einer  voraussehenden  Politik  betrachtet
werden,  au  Stelle  der  „wilden",  ungeordneten  Massen  geordnete,  zielbewußt ­
  geleitete  „Organisationen"  zu  setzen.
In  der  That,  wenn  den  Arbeitgebern  das  Recht  zusteht,  sich
zur  Wahrung  ihrer  Interessen  durch  Pr  eis-Conve  ntionen  und  Cartelle ­
  zur  Regelung  der  Production  und  des  Absatzes  zusammenzuschließen, ­
  so  können  sie  auch  den  Arbeitern  dieses  Recht  nicht  ver
wehren,  anderseits  sollten  sie  aber  den  Bestrebungen  auf

Gewerkvereinliche  Organisation  der  Arbeiter
um  so  mehr  volle  Freiheit  und  Unterstützung  leihen,  als  darin  allein
die  Möglichkeit  liegt,  die  Zeiten  wilder  Strike-Kämpfe,  wie  sie  England
durchgemacht  hat,  unserm  Vaterlande  zu  ersparen.  Ob  die  Gewerk-Vereine
  an  und  für  sich  wünschenswerth  sind,  ob  sie  der  englischen,
ob  sie  unserer  Industrie  mehr  nützen  oder  den  internationalen  Concurrenzkampf
  erschweren,  ob  und  in  welchem  Umfange  die  Arbeiter
unb  WMsmig  genug  besten  werben,.  ber  Wibau^
der  Interessen,  den  Bedingungen  der  „nationalen  Production"  Rechnung
tragen,  ob  gar  bie  (Bef#  bestes,  ba&  bie  Goci  a  iberno!  rnty
sich  der  Organisation  bemächtigen  wird  oder  diese  sich  vielmehr  als  Boltmers
  gegen  ¡ene  erweisen  merbe  —  aüe3  baß  iinb  fragen,  bie  ñámenlo)
dem  Arbeitgeber  schwere  Sorge  bereiten  mögen.  Mögen  diese  selbst  de-Glaubens
  sein:  Lohn  kämpfe  seien  immer  vom  Bösen  nnd  es
im  eigenen  Interesse  der  Arbeiter  am  besten,  wenn  alles  sich  sriedllcy
nach  „Angebot  und  Nachfrage"  regulire,  —  ein  Standpunkt,  der  freru«
mit  den  „Cartellen"  von  den  Arbeitgebern  selbst  ausgegeben  wird  —  cü
diese  Erwägungen  und  Besüchtungen  erschöpfen  die  Frage  nicht.  D'
entscheidende  Frage  ist  und  bleibt:  wird  der  deutsche  ArbeiterstaN
auf  die  Versuche,  durch  Strikes  die  Löhne  und  Arbeits-Bedingunge"
zu  beeinflussen,  verzichten?  Glaubt  man  es  jetzt  noch,  nachdem  u"
vorigen  Jahre  100000  deutsche  Bergarbeiter,  jetzt  (nach  Zeitmş
berichten)  50  000  elsäsische  Textilarbeiter  so  zu  sagen  über  Nacht  »»
Welt  —  und  nicht  am  wenigsten  ihre  eigenen  Arbeitgeber!  —mit  eine,
Strike  überraschten?  „Es  ist  eben  menschlich  und  natürlich,  daß  Jeder
            
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